Frühlingsgefühle

Gestern noch waren sie nackt, des Mandelbaumes Kronen doch zauberhaft, fast über Nacht, sind da blütenrosagefleckte Wolkenthrone die zarterwartungsvoll sie wieder wecken wie sie ihre Äste nach neuem Leben strecken. Gestern noch waren sie nackt, nun hat sie die...

Vorbehalt

Hinter der Fassade, wo der Irrtum wohnt hört man rufen wahre Klänge Hinter der Fassade wird niemand geschont will er auch täuschen im Gedränge Wer zuhört wird erkennen: die Welt ist noch nicht ganz verloren. Wer hört wird es laut beim Namen nennen, dann wird ein neuer...

Auftakt

  Warmweiche Sonnenstrahlen streicheln seelensanfte Wiesen, getränkt noch vom morgendlichen Tropfentau Tulpen und Narzissen drängen zwischen Baumes Riesen, strecken buntschlanke Köpfchen in das Himmelsblau. Frühling hat die Welt erobert, lässt Leben neu beginnen...

Zeitlebens

  Rasantbehände eilt die Zeit, ohne Ende, oh‘n Verweil. Alles, was von ihr noch bleibt, ist ein klitzekleiner Teil der einmal war. Zeit wurde erfunden, unsichtbar, doch wie besessen sammelt sie sekundenweise die Stunden, tageweise das Jahr ohne wirklich Zeit zu...

Kurzes Leben

Kurzes Leben Traumblick über den Wolken Der Sonne zum verbrennen nah Demut hat nicht mir gegolten ich schwebte, spürte nicht die Gefahr vor mir lag mein ganzes Leben vor mir lag mein ganzes Streben vor mit lag mein Ärger, mein Verdruss auf das, was ich nicht will und...

Seelensonntag

Durch verschlungene Waldpfade wandert meine Seele Leichtfüßig durch grünweiches Moos, durch schlammige Pfützen, weicht den stolpernden Krabbelkäfern aus und kokettiert mit flatterhaften Schmetterlingen, erschreckt Schlafmützen. Weit draußen läuten Kirchenglocken zur...

Liebeslohe

In lautloser Stille schlich sich die Liebe an, verfiel in sprachloses Schweigen. Brauchte keine Worte, keinen Einwand, fädelte unsichtbar sich in den Liebesreigen. Wehrlos, als Amors Pfeil sie traf, haltlos dann, unbändig die Zügel. Demaskiert aus verborgenem...

Sinnesader

Auf taubenetzten Ästen krallt die Hagebutte fest. Am Boden schwärmen Winterlinge leuchtend gelb, freudighüpfend durchs Geäst springt mit seiner Frau Herr Specht und schon braungetrockenete Blätterreste hängen welk noch immer an den Zweigen. Duftifluftigzart zum Küssen...

Verirrte Freundschaft

Farbloslippen sprechen verbindlich Freundes Schaft Worte, unverbindlich leer, doch eine grottentiefe Lücke klafft zwischen den täuschenden Augen mit tiefblauem Grund und dem unreinen, schattenmageren Schlund, welcher verspricht vertraute Harmonie und kostbare Werte...

Zwei Seiten

Wenn Schnell sich totgelaufen hat, wenn Rastlos phlegmatisch geworden, dann werden wir uns wohl Urlaub von der Langen Weile nehmen müssen. Wir werden satt und dick, jammernd auf ein zielloses Morgen, antriebslos pupsen in daunenweiche Kissen. Wir werden unser Gehirn...

Die Innere Stimme

Die Innere Stimme, nehme sie wahr Lasse Dich führen, werde Dir klar. Lausche, lass einfach mal los und Ungeduld fällt wie ein Kloß. Spüre das Leben, freu Dich an Wundern, an Reizen der Sinne, herrlich ungebunden. Die Innere Stimme, der Hoffnung Kern Du solltest öfter...

Einzigartig Sebstbewusst

Ich weiß, ich bin nur Eine von Vielen Und doch bin ich genau DIE EINE Mit mir kann man nicht spielen Ich sage immer, was und wie ich‘s meine Sind auch andere mir etwas ähnlich So sind wir alle doch verschieden Von meiner Sorte gibt es herzlich wenig Ich bin nämlich...

Ab und zu

Im Wunderzauberland, wo Milch und Honig fließt, wo es sich stressfrei leben lässt, dort gönnt man sich das Paradies, schenkt sich jeden Tag ein Fest. Schnelllebig, wie die Zeit verrinnt. vergessen wir den Zauber dieser Welt. Drehen die Spirale unseres Lebens blind...

Sinngeburt

Gedankenverloren im dunklen Strom des Vergessens wandert die Hoffnung am nebelumschwebten Ufer entlang. Versunkene Sehnsucht spiegelt sich auf der Wasseroberfläche über die gerade ein Storch seine Runden mit klapperndem Schnabel dreht. Einsamsstill gräbt sich der...

Den Moment verstehen

Bewegungslos im Stundenschritt Verharren wir, warten, auf was? Auf die Zeit?, auf ein Wunder? In scheinbarer Wirklichkeit glauben wir zu verstehen. Träume, die nicht zu unserem Erlebten passen, und doch sind es unsere Träume, die wir nicht leben. Wir wünschen uns ein...

Bienen Hort

Brummgesumme, altvertraute Töne dem Hader der Welt zur Renitenz. Botschafter der Harmonie, Töchter und Söhne halten Friedenskonferenz. Ungetrübt die Kraft zu frohem Leben Feindes Grimm bunt ausgemerzt verteilen nektarhungrig, zartschwebend mit Einigkeit gefülltes...

Schlafwandler

Feuchtwolkentau kühlt nacktheiße Füße welche schlaftrunken auf Seelenwandergang traumlos die schwarze Nacht begrüßen, verheißungsvoll auf Sternenfang Schwerelos die Schritte waten taumelig, voll Wunschverlangen. Begierdegroßes Illusionserwarten wird umzingelt von...

Lüsterne Triebe

Wangenglutgetünchtes Lippenrot, schmerzverlorene Wolllustigkeit Gefesselter Schattenfrust im Liebestod, Verherrlichung im Lackledernkleid. Statt Küssen gibt es Beissen und Schläge statt der Liebe über die Haut, da streichen unsanfte Peitschenhiebe. Der Schrecken ist...

Umkehr

Kaltversteinertes Paradies in sonnenfinsterer Nacht Eisstarrgefrorene Liebe Im Universum irrverloren zwischen Sternenpracht Verfangen im Zahnradgetriebe Marionettentheatergleich kommandogeführt Ohne eigentumsklaren Gedanken Programmverlaufsaktiv ehrlos gebührt Leben...

Einsichten des Ex-Backfisches

Mein Blick in den Spiegel heute morgen, der machte mir zunächst erst Sorgen. Trotz intensivem Schutz der Daten Hat er mir doch etwas verraten. Dass ich nicht mehr die Jüngste bin, das hab ich ja gewusst, doch dieser Blick zum Spiegel hin, bereitet mir Verdruss. Die...

Einzug

Ein Windstoß fegte Durch den kahlen Saal Meines Lebens Der Staub der Jahre Verfing sich in Spinnweben Welche zitternd ihre ganze Kraft aufwandten, zu halten Ihren erhabenen Stolz Vergebens ihre Mühe Kraftlos, am Ende des Kampfes Machten sie neidvoll Platz zum...

Besinnungslos

Blinde Augen schauen aufmerksam Das tote Herz pocht wild Taube Ohren lauschen dem Zwischenton Aus der Not das Glück sich quält. Stummer Mund der Recht ausspricht Gelähmte Arme klammern Schuld und Unschuld streiten sich Trost und Liebe jammern Gebrochenes Rückgrat...

Frühlingsspuren

Frühlingsspuren Am bodenhaften Ufer der rastlosen Meeresschwester Wildumsäumt zwischen buschbewachsenem Hain Bauen Kohlmeisenpärchen sich Liebesnester Bald hört man wildpiepsend ihren Nachwuchs schrei’n Forsytiengelb und stiefmütterchenblau, mandelblütenzart im...

Lenzelot

Athmosphäriges Springkonzert im Knospenglück Negiert den Winter einfühlsam Gänseblümchenkranz Häschens Rübe schmückt Frühlingsluftigduft riecht sonnenwarmGutelaunefroh tanzt der Mückenreigen Brummtönig die schwirrend Bienchen gnatzen zartknosprig sich einst kahle...

Eichhörnchenbub

Spekulativ grinsend lunst ein Eichhörnchenbub, leiseflinkhuschend aus hungriger Kinderstub, magenknurrend denkend: diese Nuss, die hätt ich gern. Heldhaft schützend umhüllt Nussschildmantel seinen nahrreich schmackhaften Kern. Baumkatzenkind geschwind vom Baume...

Dämmerstunde

Wintertrotzig schwebt der Sonnenball zum Platz der Ruh mühsam, energiegeladen wurd‘ das Tagewerk vollbracht. Kaltsilbern schaut Herr Mond ihm dabei zu, wartet eisigstarr auf seinen Einsatz zur Guten Nacht So will auch ich folgsam zur Bettruh‘ springen leibestüchtig...

Nachfolge

Rauhknochig streicheln Hände spröde zart verletzlich neugeborenes Bäckchen. Abschiedsgruß sich wehmütig mit Liebe paart entstaubtes Leben entledigt sich bleischweren Päckchens. Kein Klageweh, bedauernswertig war es nimmer das Leben, das sie prallreich führte wenn sie...

Bittersüß

Bittersüß, Dein Kuss auf meinen Lippen Lügenblutig Deine Rede Heißbegehrig will mein Mund am Nektar nippen verdammnisfroh verderbtes Leben. © Inge Millich...

Märzenlust

Frühduftschwanger bukettverdächtig bunt zeigt sich der Teppich aus Gras Hauchzarter Wohlgeruch verbreitet stimmungsvolle Laune Machtgehorsam reihen sich Perlentränen, ungeschliffen aus Regentauglas Tollkühn heroische Besitzergreifung, mit Pauken und Posaune...

Ungleiche Liebe im Frühling

Ein Krokus blitzte unterwürfig hinauf zu der Narzisse Zartlilaweiß hauchten seine Lippen: Wie ich das Gelb vermisse. So satt und prall, so voller Leben Ich wünscht, Du könntest mir was geben. Narzisse sprach im Dotterwahn: Vergiß es kleiner Krokusmann. Ich, Königin...