Papa,

Du sitzt versunken da,

Ein vorzeitiger Greis.

Und alles was uns früher war,

Ist mir nun höchster Preis.

 

Stumm

Bist du geworden,

Kein regen im Gesicht.

Was interessiert dich morgen?

Ich interessier’ dich nicht.

 

Komm,

Lass uns laut lachen,

wie in verflossner Zeit,

Arg Schelmereien machen,

Wie war ich’s damals leid!

 

Sei streng

einmal zu mir,

Wie zig mal hast getan,

Ich erschrak vor dir,

In deinem Zorneswahn.

 

Gehen wir spazieren,

Du Papa

Und ich Kind?

Die Vögel imitieren

und säuseln wie der Wind.

 

Fragen

Stellt‘ ich wenig,

Zu wenig, wie mir scheint.

Abwasch unerledigt,

Du hättest doch verneint.

 

Dein Blick

Schweift aus dem Fenster,

Mal wilde, manchmal starr,

Siehst nicht die Gespenster,

Die ich im träumen sah.

 

Das Schicksal

Hat genommen,

Was es uns vorher gab,

Ich denke mir beklommen:

Bald seh ich auf dein Grab.

 

Jetzt

Will ich’s rasch verdrängen,

Wir sind ja beide hier,

Meinen Arm einhängen,

Seit‘ an Seit‘, mit dir.

 

Es ruht

Deine Hand in meiner,

Ich bin für dich da,

Heut bist du mein Kleiner –

Wie ich dir Kleine war.

 

Ich

Erzähl‘ Geschichten:

Dazumal – weißt du noch?

Nickst und willst beipflichten,

Manches weißt du doch!

 

Du hast

Etwas zu sagen,

räusperst dich erst ein,

Die Worte die dir lagen,

Ersticken just im Keim.

 

Das Gespräch

beendet,

Ehe es eins war,

Gedanken längst verpfändet,

Still sitzt du wieder da.

 

Morgen

Muss ich gehen,

In die andre Welt.

Dir bleibt die Zeit still stehen,

Dein Abschiedsschmerz entfällt.

Besuch und Abschied
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