Ich trage die Welt auf meinen Schultern – und die Welt schultert mich. Doch wessen Opfer ist größer?
Wie ein Titan, der die Erdkugel auf seinem Rücken trägt, dessen Knochen bersten, Sehnen zerreißen und Adern entzweien, und doch trägt das kostbare Gut bis zu dem rechtmäßigen Platz, wo sie in aller Pracht gedeihen kann und Leben schenkt.
Es ist vorherbestimmt. Ob ein allmächtiger Übermensch mir diese Lebensaufgabe zuweist, oder doch nur das Schicksal mich in diesem Opfer versiegelt, das ist ungewiss und unwichtig, da unwegsam mein letzter Atem für diese Welt geatmet wird.
Aus meinem Schmerz soll sprießen das Glück jedweder Zukunft, die sich mir entzieht und meiner Welt offenbaren wird.
Aus meinem Blut soll fließen das Elixier zu Glückseligkeit und frohen Mutes geleite ich so jeden Tropfen einzeln aus meinem Körper hinaus.
Aus meinem Atem soll wehen ein leiser Wind, der die Hoffnung trägt in Samen und Bäume werden lässt aus Träumen, die in Erfüllung gehen.
Aus meinem Schweiß soll glänzen das kristallene Wasser reicher Seen, das Leben schenkt.
Für dieses Glück möchte ich jeden einzelnen Knochen einzeln zerbersten spüren, wie sie sich entzweien und vierteilen. Spüren, wie die Welt in mein Fleisch eintaucht und das Gerippe zerbröseln lässt.
Für diese Gier der Zufriedenheit kratze ich mir die Adern mit dem dumpfsten Messer entlang und hinterlasse eine Blutlache entlang meiner Fußspuren im heißen Kies des Weges.
Ich hauche und hauche, puste und puste, bis meine Lungenflügel Feuer brennen, und wehe die wehenden Winde durch die bäumereichen Felder.
Rennend, bis ich glaube an meiner Anstrengung zu erblinden, versuche ich mehr und mehr meines Schweißes zu Tage zu fördern und ein See zu gründen, in dessen ich mein armseliges Gesicht erkenne und gewillt bin es darin zu ertränken.
Hier ist ein guter Ort, ein perfekter Ort, um diese Welt zu platzieren, die ich so lange im Verborgenen behielt, meinen kostbaren Schatz, der die Zukunft mit seinem Reichtum nähren wird. Nun bin ich erfüllt, meine Aufgabe getan und mein Leben ist seinem Weg gefolgt. Nun ist’s die Pflicht ihrer selbst aus sich ein frohes Gedeihen zu werden.
Ich setze mich, um mich auszuruhen, und dann schlafe ich komatös ein.
Es ist wie ein einschlagender Blitzkeil, der in meine Brust eindringt, und mein Brustkorb bebt wie ein ausbrechender Vulkan. All der Schmerz, den ich für meine Welt erlitt, er scheint keineswegs vergleichbar mit diesem.
Und dann schaue ich zu ihr herab und erlebe, wie aus meinem Erbe eine Ruine aus Schandtaten und Tobsucht voller Habgier gemetzelt wird. Ein einziger Sturm aus Schande, der all meine Hoffnungen für dieses Land hinwegbläst.
Doch ich bin machtlos, bereit gewesen sie loszulassen und aus meiner Bürde eine zukunftsfrohe Zukunft der Freude heranwachsen zu lassen. All das Chaos umsonst, mein Chaos, liegt es nicht mehr in meinen Mächten diese Erde aus ihrem Elend herauszuheben, denn dafür bin ich zu schwach.
Ein Schicksal, vor dem ich sie beschützen wollte. Nun liegt es aber allein in ihrer Kraft zumindest meinen Schmerz nicht umsonst sein zu lassen und an ihrem eigenen Weg zu wachsen und in dieser Hilflosigkeit Selbsthilfe zu finden. Denn das ist nun meiner Welt’s Bürde.

© P. Haupt, 2018

Bürde
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