Dienstag, der irgendwannste im Juli. Im Jahr des überentwickelten Smartphones.

Gespräche über die Hitze dominieren die Gespräche der Menschen. Kein Platz mehr im Kopf für Genuss und Freude. Das Hirn schrumpft zur Rosine zusammen.
Schwitzen macht die Wäschekörbe voll, ein ganzes Land im Kurzwaschgang und draußen aufgehangen, kann man sein liebstes Stück am gleichen Tag wieder anziehen.
Der Sommer hat nicht nur schlechte Seiten.
Nachts auf der Ledercouch in Unterwäsche einschlafen, dann vor Wärme wach werden, übereilt aufstehen und die Haut ratschen hören, weil man auf dem Leder angeklebt ist.
Ich habe mich durch viel Sport bei dem schönen Wetter wieder in Shape gebracht aber richtig wissen will ich nicht, wieviele diesen Sommer fett geworden sind weil sie sich dann doch entschlossen haben, sich gar nicht mehr aus dem Schatten raus zu bewegen und zur Belohnung jeden Abend mit einer ausreichenden Grillmahlzeit zu beschließen und kaltes Bier ist wohl die mindeste Entschädigung bei der Demse.
Jeder feiert das Leben anders.
Tag für Tag versuche ich einen schlauen Satz zu formulieren ohne dabei in Phrasen zu verfallen.
Deutsch singende Bands hören, wenn man versucht auf deutsch zu schreiben bildet eine grosse Herausforderung. Mein Spülkasten macht Geräusche, ein guter Grund sich kurz vor der Vollendung zu drücken und das mühsam handwerklich Gelernte anzuwenden.
Die Geräusche sind weg und die Musik hab ich leiser gemacht. Ich bin wohl doch nicht so hart und unantastbar wie ich immer dachte.
Nach mehr als zwanzig Jahren versuche ich dich immer noch zu finden. Doch wer nicht gefunden werden will, den kann man auch mit dem überentwickelsten Smartphone nicht ausfindig machen. Du bewegst dich fast unsichtbar durch dieses Leben. Handhabst es ähnlich wie ich und irgendwie bin ich stolz auf dich. Ich hätte so gern ein Bild von dir gesehen. Vielleicht du auch von mir. Wir können uns aber nicht googeln. Wir haben uns dagegen entschieden.
Die Nerven sind wohl derzeit die übermenschlichste Band in diesem Land und jedes Wort sauge ich auf. Es ist eine andere Zeitrechnung und sie geben mir viel zurück von meinem Leben von vor vielen Jahren.
Analog und auf direkten Kontakt angewiesen. Wir hatten keine Wahl. Wir mussten in dem Leben des Anderen sein um es mitzubekommen. Heute hat sich das alles verändert. Heute muss ich das nicht mehr. Heute will ich es auch nicht mehr. Niemand interessiert mich mehr. Nichts macht mein Leben besser ausser mir selbst. Aber bei dir muss ich eine Ausnahme machen. Dich hätte ich gern gesehen. Einfach nur gesehen. Zum reden fehlt mir der Mut, die Themen, der Anschlusspunkt.
Diese Wärme in diesem Sommer lässt mich nur schon beim Schreiben schwitzen, ich genieße es. Wirr sind meine Gedanken und ich bemerke das die Dunkelheit Einzug hält und ich warte. Ich warte nicht mehr auf dich, aber ich warte.
Ich warte das es endlich weggeht.

Dienstag, der irgendwannste im Juli
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