Ich kann nicht aufhören daran zu denken. Mein Körper ist zittrig. Ich bin aufgeregt. Immer wenn ich es höre, fühlt es sich an wie eine Glücksexplosion, kurz nach einer Achterbahnfahrt – Wenn ich ohne es bin, als wäre ich auf einem kalten Entzug. So viele Erinnerungen und Gefühle sind damit verknüpft. Und ich kann selbst entscheiden, wie oft und für wie lange ich mich diesen hingebe.
Es ist wie die Neuentdeckung meines Leibgerichtes. Ein Geschmack, der so kostbar ist, dass ich ihn immer wieder schmecken möchte. Eine Explosion in Kopf und Mund.

Wie ein Zusammenspiel von Klängen, das meine Ohren in dieser Faszination noch nicht vernahmen. Ich kann davon nicht genug bekommen. Der Genuss ruft nach mir. Doch diese Gier danach ist es, die mir irgendwann zum Verhängnis werden kann. Immer wenn ich es nicht vernehme, sehne ich mich danach. Diese überwältigenden Glücksgefühle sind es, die es mir so unglaublich schwer fallen lassen, meinem Verlangen danach zu widerstehen. Ich möchte diese Gefühle immer spüren. Nie ohne sie ein. Genau das macht es so verhängnisvoll.

Doch irgendwann kommt der Tag. Und ich weiß, er wird kommen. Ich werde nicht stark genug sein, meiner Gier zu widerstehen. Irgendwann werde ich das Maß überschreiten und der Exzess wird überhandnehmen. Ehe ich es realisiere, wird aus einem Mal, drei bis vier Mal wöchentlich, irgendwann wird es jeden Tag sein. Auf einmal wird die Grenze zwischen Liebe und Hass schwimmend. Der Platz, der vorher gefüllt war mit schierer Hingabe und Begierde – wird schleichend von Ablehnung und Missfallen vereinnahmt. Die Gier wird erlöschen. Das Beben in meinem Körper, das mich vorher so erregte, wird verschwinden.

Der goldene Schuss wird eintreten – Denn es wird etwas in mir sterben.

Töne, die große Aufregung in mir erzeugten, mich die Augen für diesen einen Moment schließen ließen, werden verschwinden.
Mein Verlangen danach wird der Vergangenheit angehören. Die Melodie, die ich einst nachsummte, wird für mich nichts weiter sein, als eine bloße Aneinanderreihung von Klängen, triste Geräusche. Emotionen, Erinnerungen, Bilder – alles das, was ich jemals damit verband, wird schwinden. Nichts wird mir mehr daran sein.
Wie ein abgelaufenes Paar Schuhe: Nach langem Tragen wird sich das Paar abnützen, an Wert verlieren und letztendlich weggeschmissen. Und weiter wird es mich danach nicht mehr interessieren. Es werden Schuhe sein, die ich einst trug.

Dessen muss ich mir bewusst werden. Ich darf es nicht zu einem Verhängnis werden lassen. Jedes Lieblingslied ist eine Droge.
Doch wie lange mein Lieblingslied eines ist, kann ich selbst entscheiden.
Und dieses Mal werde ich es schaffen;

Mein Lieblingslied nicht zu einem Hasslied werden zu lassen.

Lieblingslied
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