Abendlicher Waldspaziergang (Ein Sonnet)

Die Abendsonne ruht am Horizont, wie warmer Flüsterwind streicht’s durch den Wald. Frau Grille singt ihr Sommerlied gekonnt, ein spätes Bienchen summt. Ich finde Halt im wunderbaren Licht des alten Tag, der hier in Frieden ruht, auf weichem Grund. Zufrieden...

Willkommen im Glashaus

Es liegt ein selt’nes Glück im Lauschen auf all die Dinge, die sich bauschen in kalten Regenfront-Geräuschen. Natürlich kann ich mich auch täuschen, doch metaphorisch hör ich’s rauschen… Zwei Wörtlein hier, ein breites Grinsen geschickt verstreut vor...

Flüsterwind

Ich streich‘ mich sanft durch dein Gefieder, ein Seufzen reckt sich an mir auf. Es schwingt sich hoch und lässt sich nieder, wie weites Weh’n im längsten Lauf und doch so tief in dir verborgen, gehauchtes Licht im wilden Schein des alten Monds am...

Komm spielen!

Ich mag sie so, die Sonnentupfen, die ins Gemüt ein Lächeln schlupfen, ganz kitzlig-weich und wunderfitzig, ein bisschen grell und manchmal hitzig. Ich spür sie an mir zupfen… ‚Komm mit!‘ So süß, wie sie uns locken, auch die, die sonst nur traurig...

Lang ersehnt

Ein Krokus im Garten erzählte mir heute vom Frühling, dem Retter der blumigen Meute, den sie alle so süchtig mit Sehnen erwarten und wie er sie küsst und der Wind ihre zarten Schlaf-Blättchen entfaltet mit Wonne. Es lächelte lila, mein Krokus im Garten und strahlte in...

Auf den Knien (Tanka)

Schneeglöckchengruppen in zierlich weißer Anmut schmücken Hoffnungsgrün mit Frühlingsfaszination an den einfachsten Wundern. © Susann Kraft. All rights reserved.

Trauervogel

Die Dunkelheit schweigt wie ein einsames Grab. Ich halte den Ton, den die Trauer mir gab, die dir immer noch sehnliche Fäden erwebt und sich in meinem bunten Gefieder verklebt. Ein Wimmern fällt schwer auf die Knoten. Oh, ich möchte doch singen und weiß keinen Rat....

Todesnacht

Die Nacht fährt fort, sich zu verbreiten, wie ein Planet, der in sich fällt und dann mit Macht umfasst die Weiten, so schwarz wie Tod, kein Sternenzelt. Der nackte Himmel fröstelt sterblich, kein Licht fängt Trost im Wolken-Band. Nur kalter Hauch umfasst mich...

Wiegenlied

Mein Seelenblick ist dir gefangen, ich halt dich tief, gedankenschwer. Ein Sehnen sanft, ein Wohlverlangen wiegt dich zum Schlaf ins warme Meer aus Armen weit wie Wellenrauschen, mein Streicheln weht durchs Ufergras. Und wie du ruhst, werd ich ihm lauschen, dem Sand...

Blind date

Das Hörnchen sprach zum Eichenbaum: „Hey Mann, lass uns zum Tanzen geh’n! Dies Abendrot ist wie ein Traum da muss man mal was and’res seh’n.“ Der Eicherich war überrascht, die Zweige zuckten zappelig: „Ich hab noch nie ’nen...

Stolperstein

Fehler fühlen keinen Schmerz, der Stolz ist’s, der getroffen mit großem Weh zu Boden fällt, zu schwach um noch zu hoffen. Ach hätt‘ ich doch, oh könnt‘ es sein… Wie sinnlos, noch zu fragen. Am Ende schafft’s verletzter Stolz sich bis ins...

Elends-Wetter

Der graue Tag steht still und weint, ein finst’rer Ton mit dunklem Hall. Melancholie hat uns vereint, der Tag und ich in freiem Fall hinein in Schluchzer hier und noch, voll Selbstmitleid als Seelen-Trost. Oh, schwer und hart mein Erden-Joch… ~ Besonders...

Gute Reise!

Freund Winter, pack dein Köfferlein, ich hab von dir genug! Das kann doch nicht dein Ernst hier sein – nimm gleich den nächsten Zug!!! Dein weißer Rock ist schmutzig-grau, man schämt sich ja mit dir!!! Ich hätt‘ noch was in Meeres-blau… Ach ja, dein...

Käfer-Mut

Ein Käfer saß auf seinem Mist, so ganz zufrieden mit der Welt. Die Luft ein wunderbarer Twist aus Erdenduft und Himmelszelt. „Hier bin ich Käfer!“ rief er laut, „Hier will ich sein, mein Paradeis!“ Kaum hatte er sein Mahl gekaut, kam schon der...

Sonnen-süß (Doppel-Triolet)

Manchmal fühl ich wie die Traube, süß-rot, saftig, hochgeboren hängend an der Gartenlaube. Manchmal fühl ich wie die Traube, sonnig-froh in schönstem Glaube, bald zum besten Wein erkoren. Manchmal fühl ich wie die Traube, süß-rot, saftig, hochgeboren. Manchmal bin ich...

Das ungeduldige Schneeglöckchen

Es läutete das Glöckchen-Kind, noch tief versteckt im kalten Schnee, sein weißes Glöckchen ganz geschwind, herbei kam eine Frühlings-Fee. Sie sprach: Du liebes Kindchen mein, die Zeit zum Läuten ist nicht reif. Du solltest still im Bettchen sein. Das Erdreich ist noch...

Schmelz-Moment

Die Stille legt sich wie ein Flaum auf meine Seele, wund und leer. Ich spür, ihr Fragen steht im Raum. Sie streichelt meine Gegenwehr und hält mich sanft in ihrem Arm bis endlich alles in mir flieht. Die Tränen tropfen schwer und warm auf all das Leid, das vor mir...

Wintermorgen

Die Sonne küsst den Blumenstern in eisig-kaltem Winterhauch. Ein rosig-runder Mond winkt fern, der Morgen lächelt, ich nun auch. Wer könnte wohl auch widersteh’n, wenn solch ein Tag ins Fenster scheint? Ganz leise schleichend auf den Zeh’n hat sich das...

Weit weg…

Das Fernweh zuckte festgeflügelt wie eine Maus im Fallen-Heim. Es flappte hilflos, zeitgezügelt und wollt‘ doch ganz woanders sein. Es schrie: „Mir ist die Hand gebunden. Der Schmerz ist groß, ich halt’s nicht aus! Ich hab mich schon so lang...

Pinselstreich

Die Poesie, sie schwingt und singt entgegen aller Schwarzmalkunst und hüpft dabei so wortgewandt vom Vogelsang zum Alltagsdunst. Sie tiriliert in frechem Ton, lehnt sich am Gartenzaun dabei. Und Nachbars ‚Frisch gestrichen!‘-Schild beklebt sie neu mit:...

Schlafenszeit!!!

Mit müdem Geist taps ich voran zum warmen Bett im kalten Raum. Der Länge nach, Bauch unten dran fall ich ins Kissen, wie ein Baum, der grad gefällt im Moos versteckt den Kopf nicht vor den Füssen sieht. Die gute Nacht hält mich bedeckt. Was heute war; es gähnt und...

Freund und Feind

Ein Würmchen sprach zum and’ren Wurm: Komm lass uns mal was Neues tun! Und kroch im kalten Regensturm vorbei am blinden Nachbarshuhn. Das Hühnchen, alt und federlos, fror ganz erbärmlich so allein und wünschte sich sein letztes Floß hinan ins Regenbogen-Sein....

Frei wie ein Vogel…

Ein Rückwärts-Wind fasst meine Schwingen und drückt mich nieder, einfach so. Ich spür die Last von übermorgen und flüchte weit, ins Nirgendwo. Ich schau mich um im leeren Lande und fühl mich plötzlich ganz allein. So wollt‘ ich das doch auch nicht haben…...

Sturm

Ich hör den Nachtsturm zornig toben, in wild-kalt lauter Wolfsmanier. Ein Schauer schüttelt unten, oben, das ganze Haus. Doch tief in mir erwacht die Stille, die der Winter in dichtem Deck-Weiß angebracht. Das Windgebrüll verstummt dahinter. Ich spür sein Herz und...

Von dir zu mir

Ein scheues Lächeln fliegt herüber und legt sich warm auf mein Gemüt. Ich streichle sanft sein gold’nes Antlitz und spür‘, wie’s plötzlich in mir glüht: Ein Flackern von Gedankenflammen, die zart und heiß das Herz berühr’n. Die Antwort liegt...

Zapfenschrei

Ein Tannenzapfen fiel zu Boden und schrie: „Was macht mein Leben Sinn? Hier lieg ich nun im Nadelregen und keiner sieht mich, wie ich bin!“ Von nebenan kam prompt die Antwort: „Sei still, mein Freund. Hör lieber zu! Der Wind singt uns sein schönstes...

Sturkopfkind

Niemand kann das Leben halten, es fließt mit Macht ins Meer der Zeit. Und doch bau‘ ich mein Boot im kalten Verzweiflungssturm; schwimm meilenweit ganz gegen alle Schwerkraftregeln, kein Zögern bremst mich: Ziel in Sicht! Und werd‘ ich schwach, kann ich...

Silberschmerz

Die Nacht fängt Licht in Raureifperlen, das Gras hält still im kalten Hauch. Die Welt schläft warm in ihren Bettchen. Ich fühl‘ mich klein, der Mond wohl auch. Am weiten Himmel steht er trotzig und lehrt mich Sein in tiefstem Schmerz. Sein Sichel-Lächeln streift...

Erstarrt

Manchmal hör ich dunkle Lieder, die des Nachts die Zeit durchstreifen und sich alte Ängste greifen. Einsamkeit lähmt kalt die Glieder. Manchmal lässt der Mond sich nieder auf des Wagens letzten Reifen, wo die Sterne reglos schweifen. Licht im Sturm belebt sie wieder....

Wunder-Rot

Der Morgen glüht im Feuermantel und hüllt den Tag in warmen Schein. Dein Blick verfängt sich in den Weiten und kommt zurück, zu mir allein. Oh könnt‘ ich doch die Wunder weben, die dort am Himmel stetig zieh’n. Ein‘ Schal aus Zeit würd ich dir...