von Poeten für Poeten

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Die versperrte Tür (1968)

Ein Sommer in Unruhe, die Welt stand in Brand, der Prager Frühling erschütterte fern jedes Land. Er war neunzehn Jahre, ein Talent ohne Maß, doch in der grauen Kaserne herrschte Befehl – ohne Rast. Ein Ausgang verboten, die Vorschriften waren klar, doch Funktionäre drängten: „Das Spiel ist heut’ da.“ Er ging und er spielte, vom Jubel umweht, kehrte nachts in die Stille, von niemandem erspäht. Am...

Das teure Gut

Egal in welchem Lebensalter, die Liebe leis dein Herz umfängt, umtanzen dich wie bunte Falter Gefühle, die der Himmel schenkt. Doch Liebe ist kein süßer Traum, kein flüchtig goldner Morgenschein; sie wächst im stillen Herzensraum, und fordert Mut, will ehrlich sein. Spürst du sie tief in deinem Herzen, nimmst du auch ihre Schatten an; du teilst mit ihr so manche Schmerzen, und bleibst doch froh,...

“Briefwechsel”

Im Winter schrieb ich dir, zutiefst verliebt. Ich fühlte mich so unwahrscheinlich gut. Dass du nicht nah warst, hat mich zwar betrübt – doch jeder Satz war hell und voller Mut. Im Frühling schrieb ich dir mit einem Hauch von Grün. Die Welt war plötzlich leichter, fast wie neu. Ich sah die Knospen in den Zweigen blüh’n und glaubte: Dieses Glück bleibt uns auch treu. Im Sommer schrieb ich dir im...

So

Du liebst leise, wie man die Tür schließt, damit das Kind nicht aufwacht. Wie man Tee noch einmal warm macht, ohne zu fragen, ob es sich lohnt. Du fragst nicht viel. Du drängst nicht. Du bleibst. Die Angst verliert ihr Gewicht, und die Nacht wird bewohnbar.

Ball der Irren

In dieser fahl erleuchteten Stunde wiegen wir uns wehrlos, dem Charme der begehrlichen Musik ergeben, schmiegen wir uns schwerelos an eine mühselig gewundene Melodie. Dieser regelmäßige Rhythmus tut uns gut in erschütternden Zeiten. Er hält uns bei Laune. Er hält die Stimmen weich. Er hält die Katastrophen auf Abstand. Wir tanzen, als ließe sich alles mit Haltung lösen. Hoffentlich verderben uns...

Nur rote Rosen

Nur rote Rosen Nur rote Rosen schenk‘ ich Euch Beiden, Meiner Muse und meiner lieben Frau, Denn Ihr befreit mich von Seelenleiden, Deren Ursprung mir immer so ungenau. Ich spüre zwar, dass ich sie meide, Jedoch nur im Sehnen nach Euch. Erst mit dem Zuspruch durch Beide Wird mein Lebenslauf überreich. So schenke ich denn zum Valentinstag Euch, meinen Liebsten nur rote Rosen, Erröte dabei sanft,...

Valentinstag

Valentinstag Wieder beginnt ein Tag im Grau Des Februars, der nicht recht weiß: Wohin geht unsere Seelenschau, Wenn es noch nasskalt, nicht heiß? Ein Kuss aber beglückt diesen Tag Und treibt hoch die Lebenssäfte, Denn wo Liebe noch Liebe mag, Wachsen unsere Menschenkräfte. Dann nehmen wir uns die Zeit, Um Zärtlichkeit in Nähe zu bewahren Und bleiben gern liebesbereit – Auch noch in den späteren...

~Lust

verführ mit kraft und voller Gunst täusch Männer mächtig und groß lass dich danach im stich du kannst nicht ohne mich. willst weg so sage ich dir wie warm es ist bei mir willst du dich fangen so wird es nichts gefesselt habe ich dich. entkommen wirst du mir nicht egal wie stark du bist Habe nur Angst ich rede es dir schön Du wirst untergehen.

Die Architekten des Glücks

Sie saßen am Tisch mit Plan und Strategie, doch an den Spieler dachten sie nie. Er war ihr Motor, der Sieg in der Hand, das Ticket für sie in ein höheres Land. Den Aufstieg vor Augen, den Ruhm im Visier, planten sie kühn und großspurig beim Bier. Dass er ein Angebot aus der Ferne besaß, war ihren Entwürfen ein bitterer Fraß. So webten sie Netze aus Druck und aus Pflicht und gaben dem Jungen kein...

Mach mal Pause

Lass` die Seele einfach baumeln, und die Füße stille steh`n, gib dich hin dem sel`gen Taumel, morgen wird`s schon weitergeh`n. Halt die Lebens-Uhr mal an, welch wundervolle Illusion, die Ruhe zieht dich in den Bann, doch alles ist eine Vision. Wir haben Rechte und auch Pflichten, die uns das Leben abverlangt, lass` uns alles richtig wichten, sodass die Seele nicht erkrankt. Jeder möchte mal...

Vielleicht

Ich sammle mich - und verliere mich zugleich. Mein ganzes ‘zu viel‘ steckt in jedem ‘vielleicht‘.

Ohne Anschrift

In einer Flasche treiben Verse ohne Anschrift. Die Nacht umschließt die Schrift mit salzigem Schweigen. Auf wogender Zunge trägt die See die suchenden Worte. Sie hören das ferne Flüstern der Küsten. Und irgendwo liest eine fremde Hand die Einsamkeit zu Ende.

Schutzengel

Du standst bereits am Fuße meiner Wiege und warst bei mir auf allen meinen Wegen. Du streckst mir deine warme Hand entgegen, wenn ich dem Schmerz zu sehr erliege. Du willst mich durch dunkle Tage treu begleiten, Du willst mir niemals von der Seite weichen. Du willst mir deinen starken Arm stets reichen und bist mir Freund in allen schweren Zeiten. Du hast mich oft aus Not errettet, wenn ich...

Was ist Heimat?

Was ist Heimat? Ist es Stolz dem Vaterland? Ein abgegrenztes Stück Erde, abgegrenzt von Menschenhand. Was ist ein Bruder, eine Schwester? Ist es ein Mensch mit gleichem Blut? Ein Vertrauter, eine Freundin, Eine Familie ausgesucht. Was ist Freiheit? Was ist Leben? Was ist richtig, was ist falsch? Was ist eine wahre Liebe? Was ist Politik? Was sind Abgaben, Versicherungen, Steuern Ich weiß nur,...

Wie leicht ist

Wie leicht ist Wie leicht ist es, im Vorauswissen Der Liebe in sich nachzuspüren, Fahnen des Verlangens hissen Und zärtlich still Worte führen? Wie schwer ist es dann doch, Die alten Erinnerungen zuzulassen Mit Vergleichen, die als schweres Joch Verhindern, um jetzt Mut zu fassen? Leichter fällt uns das stete Wähnen Mit Nähe, Blicken und Einfühlen, Wenn voll noch sind die Haarsträhnen Und wir...

Was hilft es

Was hilft es Was hilft es, wenn ich weine, Wenn ich mutterseelenalleine Hier stehe und kann nicht weiter, Weil Du nicht mein Begleiter? Gemeinsam sind wir lange gegangen, Haben uns mit herrlichem Verlangen Auch durch Dick und Dünn gequält Und dann die Trennung frei gewählt. Und doch: Nach diesem letzten Mai: Ist denn wirklich schon alles vorbei? Wir können BEIDE es nicht glauben! Willst Du ein...

Kreise der Macht

Man sagt, dass Gold stets hell erglänzt und wahres Glück sich nie begrenzt. Doch hinter all den stolzen Fassaden lag früher wie heute derselbe Schaden. Die Systeme wandeln sich, Namen fliehen, doch Macht wird weiter Kreise ziehen. Der Gierige greift nach dem, was er braucht, während die Ehrlichkeit langsam verraucht. Es gab schon immer jene Hand, die Grenzen zog durchs weite Land. Und jene, die...

Mehr Farbe

Auf dem Regenbogen finden wir uns wieder in einem federleichten Farbenmeer. Die Welt dort unten wird für uns viel leiser, als käme sie aus weiter Ferne her. Wir ruhen über all‘ den grauen Tagen. Nichts muss heut‘ Sinn sein. Nichts ist Maß. Kein Leben, das uns drängt mit seinen Fragen. Nur dieses warme Licht, wie unter Glas. Dann schließt der Himmel langsam seine Farben, und unten warten wieder...

In einem fernen Land

Auf meinem Badewannenrand liegt eine Muschel, die ich fand. Beim Baden lausche ich gespannt dem Ruf des Meeres in einem fernen Land, und ich erinnere mich an jenen Strand und deine Fußspuren im Sand. Ach, wie fand ich dich charmant. Du warst so herrlich braun gebrannt. Dein Akzent hat mich gebannt. Du nahmst ganz einfach meine Hand, und mein Herz war sofort entflammt. Doch reichte es niemals für...

Bring mich zu den Sternen

Bring mich zu den Sternen, bitte. Hier ist mir alles viel zu laut. Nur in der Stille find’ ich meine Mitte. Hab mir das Schweigen abgeschaut. Nimm mich aus den grellen Räumen, aus dem Muss, das ständig schreit. Ich will nicht nur von Freiheit träumen. Ich will bei mir sein – ganz befreit. Über mir die großen Lichter, ohne Urteil, ohne Ziel. Das ist die Gnade dieser Nächte: Dass niemand etwas von...

Die Konstante der Macht

Ob auf dem Dorf im tiefen Tal oder im Saal aus Glas und Stahl, die Gier trägt viele Masken hier und bleibt doch stets dasselbe Tier. Man spricht von Werten, laut und weit, doch wenn es brennt, herrscht Einsamkeit. Dann zählen Namen, zählt das Geld und nicht das Wort, das man noch hält. Im Glanz der Städte, auf dem Land sind gleiche Spuren eingebrannt. Wer oben thront, bewacht die Stufen und...

“Ich kann Schlaf…”

„Ich kann Schlaf…“ „Ich kann Schlaf nicht finden,“ Jammerte sie, wenn sie nachtwachte. Die Müdigkeit musste sie schinden, Hell leuchtete der Mond – und lachte. Ereignisse zogen an ihr vorbei Mit Bildern, den Namen vieler Frauen. Das lag am Konsum des Vielerlei, Denn Medien musste sie stets schauen. Zwischen Neugierde und Entscheidung Schwanden ihr nachts diese Bilder nicht. Doch wer nicht bereit...

Schlecht geschlafen

Schlecht geschlafen Er schläft natürlich immer gut, Er dreht sich um – und ist schon weg. Obgleich beim Mittagsschlaf er ruht, Erfüllt der Schlaf ihm seinen Zweck. Dagegen hat sie schlecht geschlafen In jeder zweiten, wachen Nacht. Da hilft das Zählen nicht von Schafen, Selbst wenn sie Augen zugemacht. Kann das an den Hormonen liegen? Vielleicht sollte zum Arzt sie gehen: Die Müdigkeit darf ja...

Der vorgezeichnete Pfad

Zwischen Hobelbank und Grenzverlauf hielt dich dein Lebensfaden auf. Die Werkstatt roch nach Holz und Leim, als sollte sie dein Schicksal sein. Die Schule lag im fahlen Grau und jeder wusste es genau: Du brauchst kein Wissen, keinen Traum, nur füge dich dem engen Raum. Wer dennoch nach dem Warum gefragt, ward bald schon leise abgesagt. Ein Wort, so schneidend wie ein Signal: „Dann geh doch rüber...

Mango Mambo

In deinem Blick die Abendsonne, golden, warm und still verglüht. Dein Atem trägt den Duft der Wonne, auf deinen Lippen Süßes blüht. Die Süße klebt an meinen Fingern, wir lachen leis im Sommerwind. Palmen wiegen, Sterne schimmern – wie schnell doch unsre Zeit verrinnt. Ein Mambo – unsre Körper nah, wir bewegen uns im Takt, ganz sacht Bleib bei mir. Ich bleib für dich da, bis der Mambo endet,...

Sommer jetzt

Ich wünsch‘ mir den Sommer jetzt, nicht irgendwann. Wenn Luft nach Leben schmeckt und Tage barfuss geh’n. Wenn ich helle Stunden kann am Fenster seh’n. Wenn ich nachts die Sterne schauen kann. Ich will die Sonne warm auf meinen Schultern spür’n. Nicht nur als Wunsch, der sich ins Herz mir drängt. Ich will, dass Sonnenlicht mich reich beschenkt, und leichte Winde meine müden Schritte führ’n. Ich...

Was hat uns

Was hat uns Was hat uns die Überwältigung Unseres schönen Globus gebracht? Bringt Vermehrungswahn den Untergang? Bringt Egoismus Lebensvernichtung? Braucht die Menschheit nicht Liebe und Verstand? Unser aller Streben wird lebensbedrohlich, Wenn wir die Klimaveränderungen ignorieren Und meinen, ohne Verhaltensänderung zu überleben. ©Hans Hartmut Karg 2026 *

Manch liebes Kind

Manch liebes Kind Manch liebes Kind sucht immerzu Schöne Klamotten, neue Schuh‘, Braucht einen großen Kleiderschrank, Dann bleibt es freundlich – Gottseidank! Immer gibt’s was zu verstecken, Man will auch Kaufgelüste checken, Um wieder einmal aufzufallen – Der Busenfreund darf gern bezahlen. Am Spiegel darf man dann genießen, Was an Schönheit auszugießen Und von Natur aus reich geschenkt, Das...

Leise Töne

Ruh‘ dich aus in meinen Versen. Bette dich in ihrem Sinn. Lass die Hast und Alltagsscherben. Schau, du findest dich darin. Gerne schreib‘ ich dir Gedichte. Du bist mir Inspiration. Denk‘ ich an unsere Geschichte, wird jedes Wort ein leiser Ton. Manchmal will mir Musik gelingen, manchmal klingt’s eher atonal. Du magst es trotzdem mit mir singen. Du liebst den Makel allemal. Du nimmst mich mit...

Gleich alt

Meine Puppe ist in die Jahre gekommen. Sie sitzt am Fenster im Sonnenlicht. Verfilzt das Haar, ein Auge erlischt. Doch hat ihr die Zeit nicht das Lächeln genommen. Ihr Kleid ist müde – Motten fraßen dran. Die Säume dünn, der Stoff schon zernagt. Er hat sich stumm durch die Jahre geplagt. Das Kleid hält trotzdem, so gut es kann. Wir sind gleich alt. Kein Trost, nur wahr. Ihr Stoff wird Staub,...

Das Poetenpodium

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