Die erste Nacht steht an der Schwelle,
das Fest wird ernst, der Glanz wird Stelle.
Ein Anfang fragt nach Stand und Grund,
nicht nach Beifall, nicht nach Mund.
Die zweite Nacht rückt näher her,
sie hört das Wort und spricht nicht mehr.
Erkenntnis wächst, wo Nähe bleibt,
wo Wahrheit nicht im Lärm zerreibt.
Die dritte Nacht hält Klage aus,
kein Trost, kein Sinn führt hier hinaus.
Unschuld steht nackt vor Zeit und Macht,
die Menschlichkeit hält stille Wacht.
Die vierte Nacht kennt Widerstand,
Gewissen steht allein im Land.
Wo Pflicht und Wahrheit sich entzwei’n,
muss Haltung mehr als Gehorsam sein.
Die fünfte Nacht schließt leise ab,
was war, wird Maß, nicht Urteilsstab.
Man lässt, was nicht mehr tragen kann,
ohne es neu zu übermann’n.
Die sechste Nacht entlässt die Zeit,
kein Knall, nur Würde bleibt bereit.
Ein Jahr geht fort, nicht überrannt,
sondern erkannt und anerkannt.
Die siebte Nacht bewahrt im Schoß
das Neue, still und namenlos.
Ein Wechsel ohne Hast und Zwang,
weil Anfang Schutz und Stille kann.
Die achte Nacht bringt Maß und Ordnung,
nicht hart, doch klar in ihrer Forderung.
Was trägt, bleibt schlicht, was drängt, vergeht,
damit das Innre aufrecht steht.
Die neunte Nacht nennt Dinge beim Namen,
nimmt Ausflucht fort, lässt Wahrheit rahmen.
Was ausgesprochen wird, wird klein,
was namenlos war, nicht mehr fein.
Die zehnte Nacht verlangt die Tat,
kein Wort bleibt ohne Konsequat.
Erkenntnis, die nicht Handeln wird,
verliert den Anspruch, der sie ziert.
Die elfte Nacht geht ohne Glanz,
Treue ist hier der Tageskranz.
Wer bleibt, wo nichts zu holen scheint,
hat sich mit Zukunft schon vereint.
Die zwölfte Nacht hebt still den Blick,
ein Stern genügt als letztes Stück.
Man geht auf neuem Weg zurück,
nicht klüger nur – doch anders, Stück für Stück.
So folgt die Nacht dem Sinn der Zeit,
nicht Kreis, nicht Flucht, nicht Beliebigkeit.
Von Schwelle, Tiefe, Maß und Pflicht
zu Richtung, Halt und neuem Licht.
Wer diese Nächte wirklich geht,
versteht: Nicht Zeit wird hier gedreht.
Der Mensch wird neu – nicht durch Beginn,
sondern durch Gang, Maß und Sinn.
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