Leere
Sie kommt lautlos, kriecht durch Ritzen, setzt sich in die Knochen. Du wachst auf, aber nicht wirklich. Der Tag beginnt, doch du bleibst liegen. Nicht aus Faulheit – aus Erschöpfung. Nicht körperlich. Tiefer. Jeder Gedanke wiegt Tonnen. Zähneputzen? Ein Gipfel. Antworten? Ein Kraftakt. Du lachst nicht mehr. Nicht, weil du nicht willst – du kannst nicht. Sie saugt dich aus, macht dich hohl. Du funktionierst, aber du lebst nicht. Du bist da, aber nicht wirklich. Und niemand sieht es. Denn sie trägt dein Gesicht, spricht mit deiner Stimme. Und flüstert dir zu: „So warst du schon immer.“
Lieber Lewin, ich weiss nicht, ob du Dunkel heisst oder als Pseudonym gewählt hast.
Dein Lyrisches Ich beschreibt eindrucksvoll eine wohl wiederkehrende Depression. Manche sind ihr Leben lang davon betroffen. Ich kannte
in meiner Kirchengemeinde einen inzwischen verstorbenen Bruder, der wegen schwerer Depressionen seinen Beruf als Arzt aufgeben musste und sich als Krankenpfleger durchschlug. Trotzdem fand er Halt im Glauben an Jesus Christus.
Ich werde gleich ein Antwortgedicht posten.
Ich hoffe auf weitere Texte von dir
LG Stephan