Bootsfahrt

von | 28.Nov.2018 | Poesie | 2 Kommentare

Kürzlich
machte ich eine Bootsfahrt.

Mit dem Kajak,
eine Tour – einen Fluss entlang.
Unbekanntes Land,
unbekannte Sprache,
unbekanntes Terrain.

Zu Beginn
war ich voller Tatendrang,
Forschergeist, Entdeckungsfreude.

Dann:
Keine Einweisung.
Ich bekam nur gezeigt, wo das Boot liegt,
die Paddel,
die Schwimmweste.

Das Boot ins Wasser lassen war noch einfach.
Wie aber ins Boot kommen?
Zum Einsteigen – musste ich ins Wasser.
Das geht ja gut an…
Ganz schön wacklige Sache.

Was aber mit den Dingen, die ich dabei hatte?
Mein Geldbeutel, mein Handy, mein Fotoapparat?
Gut, ich hatte es bereits in einem Rucksack,
aber was, wenn ich kentere?

Tausend Fragen…
Wie paddelt man?
Was, wenn ich den Weg nicht finde?
Es gab viele Abzweigungen….
Wohin führt mich der Fluss?

Erst mal – fuhr ich mitten ins Schilf.
Ich hatte keine Ahnung, wie`s funktioniert.
Na prima!
Ab da, begannen die Zweifel.

Bei einem Wehr
musste ich aussteigen,
das Boot tragen,
wieder einsteigen.
Nun –
einmal hab ich`s geschafft.
Öfter?
Nicht unbedingt.

Während der Fahrt,
immer wieder:
Soll ich oder soll ich nicht?
Ich sah manche, die einfach am Ufer anlegten,
ins Wasser sprangen, ihren Spaß hatten.

Ich könnte untergehen…
Aber ich kann doch schwimmen!!
Ich könnte mich erkälten…
Aber die Sonne scheint doch!!

Die Natur war traumhaft,
das klare Wasser,
die zauberhaften Pflanzen,
die schönen Buchten…

Soll ich
raushüpfen, schwimmen, reinklettern,
umfallen, lachen, nass werden, was weiß ich??

Irgendwas – hielt mich ab…
Angst, zu scheitern?
Angst, alles zu verlieren?

Am Ziel dachte ich mir,
nächstes Mal – genießt du es mehr…
Da lasse ich
meinen Geldbeutel, mein Handy, meinen Fotoapparat,
am Ufer zurück
und genieße einfach meine Fahrt.

Jetzt denke ich:
Verflixt – wie im Leben!
🙂

© A. Namer

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2 Kommentare

  1. Maja

    Hallo Anita, ein toller Erfahrungsbericht. Beginnt langsam, aber steigert sich dann wie die Kanufahrt. Gerne gelesen.

    LG
    Maja

    Antworten
    • Anita Namer

      Liebe Maja, ganz tief in mir war das Gefühl, etwas “verlieren” zu können. Ich nahm mir damit allerdings die Freiheit, alles in vollen Zügen genießen zu können. Selbst wenn alles untergegangen wäre, wäre es nicht wirklich tragisch gewesen. Ich hoffe, daran erinnere ich mich das nächste Mal. Danke und ganz liebe Grüße, Anita

      Antworten

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