Kugelschreiber, Filzstifte, Textmarker rot und grün und gelb und blau.

Ich sitze vor meinem kleinen, aber für den Zweck ausgerichtet definitiv genügenden Schreibtisch in Eichenholzoptik. Wieder einmal liegt vor mir ein kleines weißes Blatt im A4-Format. Forschungsintensive, brillante Hausarbeiten über mathematische Rätsel des Jahrhunderts sollen hier entstehen. Exzentrischen Gemälden mit grellen Farben und avantgardistischen Motiven sollen hier aus der Gedankenwelt eine Existenz in der uns bekannten Realität zugesprochen werden.

Kunsthaarpinsel, 30-Zentimeter-Lineal, Bleistifte und Radiergummis.

In dreieinhalb Schubladen eines kleinen Arrangements aus Plastikboxen liegen in dunklen, stickigen Räumlichkeiten verstaut diverse Materialien des alltäglichen Bürobedarfs. Helferlein in der Not, Allzweckbedarf, doch in dieser meiner Sorgen völlig unbrauchbar wie ein Messer zum Suppe essen.
Sonnenbrille, Handcreme, Klebestift und Bastelschere.
Erstickend in der Fülle der Masse des Unbrauchbaren, meine Gedanken eingepfercht auf vier Quadratzentimeter materieleeren Raumes, erscheint auch immer nicht ein Blitz der kreativen Fantasie, aus der ich üblicherweise die Gunst der Künste und der Wissenschaften erwirtschafte.

Nagelschere, Fernbedienung, Postkarten und Ladekabel.

Nach reichlich Überlegungen, Durststrecken erfinderischen Einfallsreichtums und Dürreplagen auf meinem Landgut der potenten Ideen sprießt noch immer kein Spross wohltuender Genugtuung, der Wurzeln schlüge für eine langanhaltende Beglückung, Blätter entwickelt um die erhabene Einreichung eines Einfalls aus der Umwelt aufzufangen, Knospen reifen lässt, die all das verborgene Talent insgeheim zu einem schillernden Diamanten schleift, als Vorbereitung, und Blüten erblühen lässt, um besagte Edelsteine der Außenwelt zur Schau stellen zu können.

Gummibärchentüte, Energy-Drink, leere Taschentücher-Verpackung und Magazinstapel.

Das Einatmen der aus dem Fensterspalt knapp entrinnenden Luft fällt schwer. Zwei mächtige Zinnübertöpfe zweier Zimmerpflanzen entledigen mir die Möglichkeit, das Fenster weiter zu öffnen.

Frühstücksteller, Moskitospray, ein leeres weißes Blatt Papier und mein übervoller Kopf, allesamt auf meinem unaufgeräumten Schreibtisch.

© P. Haupt, 2018

Ein unaufgeräumter Schreibtisch
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