Frauenwunsch
Frauenwunsch Schon immer will ich einen Mann, Der mehr kann, als nur kaufen, Der immer mir auch helfen kann, Mit mir gemeinsam laufen. Schon immer will ich einen Mann, Der trotz der Stärke seiner Hände Mir zärtlich und ohne Machtwahn Das Seelenkleid ein wenig wende. Schon immer will ich einen Mann, Der mich nimmt, wie ich bin, Küssend zur Höhe schieben kann, Mich trägt zur Liebe hin. ©Hans...
An meine liebe Frau
An meine liebe Frau Noch ist der Mund ein wenig trocken, Wenn er im Halbschlaf wachgeküsst Und mit dem beidseitigen Foppen Wir unseren Tag schon früh versüßt. Gleichwohl wie Sterne in der Nacht Funkeln zu mir die listigen Augen, Die oft um Lachen mich gebracht, Weil sie ja auch zum Witzeln taugen. Mit sanften Händen, wenig stark, Hältst Du mich fest hier im Gelände, Sorgst dafür, dass wir stets...
Gips her!
Der Gips gibt Halt In Mauer füllt Spalt Vom Maler recht bunt Mit Wasser im Verbund Am Menschen in Weiß Bei Kalklöschung heiß Hält Fragmente im Zaum Rahmt Verletzung mit Saum Schafft Heilung ihre Zeit Nimmt Hetze die Schneid In Ruhe: Gips her!
Herbstlieb
Es fällt das Blatt im Herbsteswind, es tanzt, als wär’s ein fröhlich Kind. Der Regen tropft im Fiedelton, der Herbst setzt auf die Wolken Kron’. Der Igel rollt sich kugelrund, der Spatz zwitschert noch einen Bund. Und selbst im Grau, so müd’ und kalt, bleibt doch der Herbst ein Fest im Wald. — Timo Ertel © 2025
Herbstlied
Es fiel ein Blatt vom Baum herab, es drehte sich und fiel ins Grab. Der Wind sprach leis: „Das war’s noch nicht, der Herbst malt weiter sein Gesicht.“ Ein Kürbis lacht, die Rübe niest, ein Regenwurm die Erde gießt. Der Regen plätschert: „Plitsch, platsch, plitsch,“ der Herbst kocht Suppe – warm und frisch. Die Menschen seufzen: „Ach, wie grau!“ Der Igel ruft: „Mir einerlei!“ Denn unter Laub und...
Sehen
"Ich denke, also bin ich" Ich denke, aber ich bin nicht besonders intelligent. Ich denke, aber ich bin nicht besonders hübsch. Ich denke, aber ich bin nicht besonders. Ich denke, aber ich sehe nicht. Ich sehe nicht das, was ist, sondern das, was sein sollte, was nicht ist. Ich denke, aber ich werde nicht gesehen. Ich denke, also sehe ich nicht.
Spiegelungen
Grelle Blicke im Neonlicht, Ausstrahlung ohne wahres Gesicht. So glatt, so rein, so aufgebläht – verloren im Glanz, der sie umweht. Wir passen hier nicht hinein, nicht Teil vom Glanz, vom gold’nem Schein. Der Raum – so leer, so matt, so still, die Frauen – schön, doch ohne Will’. Sie wirken fern, sie strahlen bloß, mein Herz erstarrt, mein Antrieb verfloss. Wir werden ignoriert und verlacht,...
Fragen an den Glauben
Ich bin ein Mensch, der gerne hört, was andre glauben, was sie stört. Inmitten stiller Stadtgeräusche traf ich Missionare, freundlich und leise. Sie sprachen warm, in sanftem Ton, von Gottes Reich, von Himmelslohn. Von Jesus, der uns stets begleitet, von Liebe, die durchs Leben leitet. Ich hörte zu, mit offnem Sinn, doch merkte bald: ich steh nicht drin in jenem Bild, das sie entwarfen – zu fern...
Felsenbirne
Felsenbirne Jedes Jahr immer die kleinen Beeren, Die nach und nach heranreifen Und unsere Gesundheit mehren, Wenn wir nach ihnen greifen. Tatsächlich blüht sie überreich: Die Felsenbirne trägt Übermut, Dass sie uns dann bringt gleich, Was herrlich schmeckt – und gut! Bescheiden steht der große Baum Nach vielen Jahren stolz im Garten Und bringt uns doch ganz wie im Traum Beerchen, auf die wir...
Das Zuckerpüppchen
Das Zuckerpüppchen Sofort sieht man diese Dame, Denn perfekt geschminkt tritt sie auf Und weiß um ihre Außenwirkung. Doch mit ihrem inneren Zittern, Geschame Bleibt sie im bisherigen Lebenslauf Eine Person ohne nachhaltige Wirkung. Eher unscheinbar und recht klein Muss sie hochhackiges Schuhwerk tragen Und erwartet, dass man sie so wahrnimmt. Ihre Kleidung, natürlich elegant und fein Verstärkt...
Stuttgart zwischen Gleisen und Gewissen
In einer Stadt, die Wandel verspricht, doch unter Beton ihr Gedächtnis bricht, stehen sie – nicht laut, nicht wild, mit Rücken aus Jahren, im Herzen still. Sie mahnen nicht aus Trotz, nicht aus Wut, sondern aus Sorge, aus langem Mut. Sie sahen, wie Bäume zu Zahlen vergeh’n, und Träume im Größenwahn verweh’n. Wo Gleise sich biegen in Spekulationslust, stirbt die Natur in stummem Frust. Man...
Man kann leichter gehen
Man kann leichter gehen Man kann leichter gehen, wenn man weiß, Dass man im Leben etwas geschaffen hat, Sich bewegt in ehrlichem Lebenskreis, Der immer auch ein Kontrolleur der Tat. Niemand will ja mehr etwas wissen Von einem Alten mit grauem Bart. Er frag: Wird mich jemand vermissen, Wo das Leben ungerecht und hart? Gerade deshalb ist er stolz auf das Erreichte, Weil er als Lehrer die Jugend...
Tannenmama
Tannenmama Der großen Tanne wurde vom Wurfwind Ein Drittel der schönen Krone abgerissen, Und alle Freunde meinten geschwind: Zum Brennholz sei der Rest geschmissen! Dagegen wehrte ich mich sofort, Denn ich liebe den herrlichen Baum, Der prächtig steht an seinem Ort, Nun ein Torso im Gartenraum. Der Baum aber weiß sich zu krönen Mit jungen Bäumchen auf Ästen, am Fuß, Die mich mit seinem Leid...
Liebe
Warst du jemals wirklich verliebt? Hast du allein dagesessen und geweint? In einer Liebe habe ich gegeben. In einer Liebe habe ich gewartet. In einer Liebe habe ich geweint. Hast du je jemanden angesehen, wie er sich verstellt – nur aus Angst vor der Liebe, aus Angst zu lieben, aus Angst, sich zu verlieben und verliebt zu sein? Ich schon.
Alkohol – ein falscher Freund
Für dich beginnt die Welt zu stinken, du greifst erneut zum Glas, zum Trinken. Zu schüchtern, um dich selbst zu zeigen, soll Whiskey deine Einsamkeit verschweigen. Du sagst, er tröste dich bei Nacht, doch hast du je daran gedacht? Er wärmt dich nur für kurze Zeit, zurück bleibt nichts – nur Bitterkeit. Du wirst zum Schatten deiner Kraft, dein Geist verliert, was früher schafft. Die Kreativität...
Homosexuell
Du trägst dein Talent wie ein helles Licht, doch Schatten folgten dir auf Schritt und Tritt. Überall Spott, oft hämisch und gemein, manch einer wollte nur, dass du unsichtbar bist. Mut braucht es, so offen zu leben, doch bitte, lass mir meinen Raum. Ich konnte dich stets gut verstehen, doch mein Herz kennt andere Wege kaum. Intimität liegt zwischen klaren Grenzen, die ich nicht überschreiten...
Brücke aus Klang und Herkunft
Brücke aus Klang und Herkunft Mein Name klingt euch fremd im Ohr, doch trägt er Licht, kein finsteres Tor. Er ist kein Echo alter Schuld, sondern ein Ruf nach neuer Huld. Ich komme von fern – ja, und noch mehr: Ein Herz, ein Blick, verletzlich, leer, wenn Mauern sich aus Worten bauen und Blicke mich wie Nebel schauen. Ich kenne Rassismus – hier wie dort, im Heimatland, an fernem Ort. Denn...
Gold für Schweigen
Sie sehen dich wie Staub am Rand, doch suchen nachts nach deiner Hand. Sie kaufen Nähe, flüchtig, kalt – und nennen dich danach „verhalt“. Du gibst, was sie im Dunkel wollen, doch bleibst für sie nur Fleisch, nur Rollen. Ein Körper, stumm, ein fremdes Tier – sie zahlen nicht aus Achtung dir. Kein Blick fragt je nach deinem Morgen, kein Wort nach Sehnsucht, Schmerz, nach Sorgen. Sie nehmen, was...
Unterschiedliche Geister
Unterschiedliche Geister Kleingeister behängen sich mit Personen, Welche keinerlei Kraftvergeudung lohnen, Weil sie in ihrem engen Gossenreich Nur lauern auf den nächsten Streich. Große Geister schauen auf Sachen, Welche man könnte noch besser machen Und wägen beraten und informiert ab, Bringen so den Stillstand auf Trab. Mit Größe ändern sie Strukturen und Dinge, Wissen, dass die Vernunft sehr...
Es gibt Kanzler
Es gibt Kanzler Es gibt Kanzler, die wollen etwas bewegen Und sie bewegen manchmal auch viel, Aber sie bringen es Bürgern nicht rüber, Müssen sich auf Nebengleise verlegen, Vertelefonieren manches Absichtsziel, Wissen um Lobbyisten, Grenzenverschieber. Deshalb sind ihnen Quoten oft nicht hold, Es kritisieren Journalisten, manche Wähler: Sie nutzen zu wenig ihre Richtlinienkompetenz. Reisen,...
Die Uhr der Erde
Siehst du den Schnee, wie leise er fällt, ein Schleier sinkt auf diese Welt. Dein Weg ist weit, das Ziel noch fern, die Zeit verrinnt wie Licht im Stern. Die Wälder sterben, Blatt für Blatt, die Uhr der Erde wird nicht satt. Sie zählt nicht mehr, sie läuft zurück, ihr Takt verstummt – verlor’nes Glück. Warum nur glaubt man Jahr um Jahr, dass Fortschritt unsre Rettung war? Warum mit kalter,...
Verblasstes Grün
Ich träumte einst von Wiesen weit, vom Grün – für immer, alle Zeit. Das Leben schien wie Frühlingslicht, doch heute spür ich’s einfach nicht. Das Grün verlischt Stück für Stück, zurück bleibt Schmerz statt Lebensglück. Die Farbe flieht, die Welt wird leer und Hoffnung trägt man nicht mehr so schwer. Vielleicht lebt Grün nur noch im Traum, in mir – nicht mehr im Weltenraum. Die Sehnsucht nach dem...
Die Berge aus Brot
All die Berge, Brot im Lot, verfallen still dem Überfluss-Tod. Ein Spiegel, kalt und gläsern klar – von dem, was einst mal besser war. Ein Zeichen unseres Ego-Wahns, ein Denkmal aus dem Maßlos-Wahn. Materialismus – stolz und blind, als wären wir nicht Menschen, Kind. In einem Land, das blüht und lacht, wird täglich Nahrung weggemacht. Was für ein Irrsinn, welch ein Schmerz – die Schande frisst...
Sich nicht provozieren lassen
Sich nicht provozieren lassen Sich nicht provozieren lassen Von den vielen, kleinen Quälgeistern, Die lieber beleidigen, oftmals hassen Und sich dafür auch noch begeistern. Der Kleingeist sucht stets danach, Wen er als Nächsten zwicken kann Und eröffnet damit gern jenen Krach, Mit dem das Böse sich bricht die Bahn. Lass‘ ihn wie die Welle am Strand leerlaufen, Er hat Deine Aufmerksamkeit nicht...
Der gläserne Mensch kommt
Der gläserne Mensch kommt Der gläserne Mensch kommt, Weil dies unserer Neugierde entspricht. Ob das der Menschheit bekommt, Wer sich darüber wohl den Kopf zerbricht? Ist im Hirn erst der Chip eingesetzt, Mit dem wir fast alles abrufen können, Wird dann endlich viel weniger gehetzt, Weil wir uns eben auch Ruhe gönnen? Gräsern sieht sich der Mensch s soelber, Durchschaut sein Gegenüber dann auch,...
Ich liebe dich
Ich liebe dich, das sage ich dir, tausendmal in meinen Gedanken... Hast du es gehört, gefühlt, gespürt? Nein? Ja, genau... Deswegen schreibe ich es dir jetzt: "Ich liebe Dich", so hast du es schwarz auf weiß... Noch schöner ist es bunt: Tanzend, lachend, hüpfend, singend, kullernd mit dem Klang meiner Stimme, meines Herzens, meines Seins. © A. Namer
ZUGFAHRT
Auf den Schienen qualmt der Dampf der Lokomotive Wie ein Zahnrad dreht sich diese gut geölte Maschine Und der Zug rast immer weiter geradeaus Seit dem Bahnhof hasten wir durch die Landschaft Uns bleibt im engen Wagon nur ein hastiger Blick Und der Zug rast immer weiter geradeaus Kein Luxusticket, doch auch um Obdach keine Sorgen Für Ablenkung ist auf den Bildschirmen gesorgt Und der Zug rast...
Stimmen der Träume
Manuela: Ich sah dein Herz im Zuckerlicht, verlor mich oft in deinem Gesicht. Dein Lachen war mein sanfter Tanz, ich schenkte dir den ersten Glanz. France Gall: Du folgtest mir im Sternenschein, die Melodie floss tief hinein. Ich sang von Freude, leicht und klar, so nah und doch so wunderbar. Nancy Sinatra: Ich flog durch deine Traumgestalt, war kühn und frei in deiner Welt. Du hörtest mein...
Einen Traum
Als Kind verlor ich mich im Glanz, bei Manuelas sanftem Tanz. France Gall und Nancy, hell und rein, sie führten mich im Traum hinein. Agneta, blond, ein Sternenschein, zog mich tief in ihr Herz hinein. Auch Morgan Fairchild, kühn und frei, war wie ein Licht, immer dabei. Kim Basinger, so warm, so nah, ein Leuchten, das die Stille brach. Kein kalter Blick, kein fernes Spiel, ihr Glanz erfüllte...
Dunkle Wolken
Dunkle Wolken ziehen durchs Licht, du taumelst – siehst die Welt nicht. Streit mit dem Vater, Nacht für Nacht, und ich, der kaum noch Hoffnung macht. Wann kommt die Wende, die du ersehnst? Oder ist es das Ende, dass du längst verstehst? Tränen fließen, wenn du mich erblickst, und flehst, wenn der Fluss vorüber fließt, verrinnt, verstrickt. Enttäuschung liegt auf jedem Blick, wo blieb dein Wesen,...