Nach dem Regen
Nach dem Regen Der Guss kommt urplötzlich herab, Aus den Wolken fallen dicke Tropfen Und bringen Ungeschützte auf Trab, Auf den Dächern hört man Klopfen. In aufgestellte Regentonnen Rauschen diese Himmelswonnen. Nach dem Regen wird‘s rasch hell, Sanfter Wind frischt langsam auf: Wie gekommen sie gar so schnell, So hören Wind und Regen auf. Die Sonne trocknet Wege, Gras, Kindern macht das...
Ich war da. Du warst weg. ~ Lucio pt.3
Ich war da. Du warst weg. Und ich habe mich selbst gesucht in deinem Schweigen. Ich habe mich nicht gefunden. Aber ich bin noch hier. Ich bin müde. Aber nicht leer. Etwas in mir atmet weiter, auch wenn du nicht zurückkommst. Ich vermisse dich. Aber ich vermisse mich mehr. Die Version von mir, die geglaubt hat, dass Liebe Rücksicht kennt. Ich bin wütend. Weil ich mich nicht aufgegeben habe,...
Ich war da. Du warst weg ~ Lucio pt.2
Ich war da. Du warst weg. Und ich habe gewartet, nicht auf dich, sondern auf ein Zeichen, dass ich nicht egal bin. Ich war da. Du warst lautlos. Dein Schweigen war lauter als jeder Schrei. Es hat mich zerrissen, nicht weil du geschrien hast, sondern weil du nichts gesagt hast. Ich vermisse dich. Nicht deine Nähe, sondern die Illusion, dass ich dir etwas bedeute. Ich bin wütend. Weil ich mich...
Ich war da und. Du warst weg. ~ Lucio pt.1
Ich war da. Du warst weg. Kein Wort. Kein Blick. Nur Leere, die sich wie Schuld anfühlt, obwohl ich nichts falsch gemacht habe. Ich war da. Du warst lautlos. Wie ein Schatten, der sich nicht verabschiedet, nur verschwindet. Und ich sitze da, nicht aus Liebe, sondern weil ich nicht weiß, wohin mit dem Schmerz. Ich vermisse dich. Nicht weil du gut warst, sondern weil ich gehofft habe, dass du es...
Drei Dinge, die mein Herz bewahren ~ Lucio
Wenn Mamas Stimme durch mein Schweigen zieht, verblasst die Welt in ihrem warmen Licht. Ein Hauch von Liebe, der mich sanft umschmiegt, ein leiser Trost, der durch die Stille bricht. Ihr Blick ist mehr als nur ein Augenpaar, er trägt mein Herz durch jedes dunkle Tal. Ein Wort von ihr – und alles wird ganz klar, ihr Dasein ist mein stillster Sonnenstrahl. Dann klingt Musik wie flüssiges Gefühl,...
Excelsia Lux ~ Lucio
Dann fliegen wir – mit dem Bett als Schiff durch Wolkenmeere. Wie wäre es zu einem Strand, wo tausend Rutschen in die Sonne tauchen, Trampoline uns hoch in den Himmel katapultieren und Motorboote über funkelnde Wellen springen? Wir essen Eis zum Frühstück, tauchen dann in die tiefblauen Geheimnisse des Meeres, und in unserem Zauberland im Süden ist alles Essen ein Fest der Gesundheit – ob Stözn...
Poetische Beschreibung meines fantastischen Zimmers ~ Lucio
In meinem Zimmer fließen Straßen aus Licht wie Flüssiges Azahar, zwischen den Buchsbaumblättern tanzen Schatten wie kleine Sevillanas. Mein Krankenpflegebett schwebt auf leisen Wolkenfäden, der Rollstuhl wirbelt herum, als hätte er Flamenco-Flügel bekommen. Papierflieger kreisen an der Decke, flüstern Geschichten von fernen Plazas und sonnigen Dächern, wo Klaviertasten wie Keramikfliesen...
Poetische Beschreibung meines Zimmers ~ Lucio
Zwischen nüchternem Weiß und warmen Farbtupfern liegt mein Raum wie eine kleine, lebendige Welt. Mein Krankenpflegebett steht im Zentrum, ein Ort von Ruhe und Geborgenheit, daneben mein Rollstuhl – stiller Zeuge von Mobilität und Stärke zugleich. Ein Wagen voller medizinischer Helfer glitzert sachlich unter dem Licht, als wäre er ein kleiner Schatz aus Funktion und Fürsorge. Doch das Leben blüht...
Staub und Licht ~ Lucio
Vielleicht, auch wenn eure Augen leer wirken und eure Münder zu groß, seid ihr doch nur Menschen, wie ich. Vielleicht versteckt sich hinter dem Lächeln, das nichts sagt, ein unsicheres Herz, das nach Nähe sucht, ohne die Worte dafür zu finden. Mensch sein ist mühsam: man zeigt Fassaden, weil das Innere so zart ist. Man wird laut, weil die Stille sonst zu schwer wäre. Man wirkt fremd, und trägt...
Schweigen zu Laut ~ Lucio
Die Gäste, eine Prozession aus Stimmen und Hüllen. Leere Augen, die blicken, ohne zu sehen, wie blanke Fenster in verlassene Häuser. Große Münder, offen, laut, Lächeln, die nichts tragen außer Luft. Sie klappen auf und zu, Mechanik statt Gefühl. Die Gesten übergroß, wie flatternde Fahnen, doch ohne Botschaft, nur Bewegung im Raum, ein Schall, der nichts berührt. Kein Herz darin, nur das Poltern...
Leere und Lava ~ Lucio
In mir – ein Schwanken, wie Wasser, das nicht weiß, ob es stillstehen oder das Ufer überfluten will. Manchmal Leere, ein weißer Raum, so weit, dass selbst mein Atem darin verhallt. Ein Schutz vielleicht, ein dünner Schleier, damit nichts von draußen zu sehr in mich fällt. Doch dann wieder: ein Beben, ein dunkler Strom von Wut, der nicht hinaus darf, sondern gegen meine Rippen schlägt. Ohnmacht,...
Die Feier durch die Wand ~ Lucio
Heute war der Tag voller Stimmen, ein Fest für Mama, ein Strom von Gesichtern, Blumenarme, Schokoladenschachteln, übertriebene Lächeln, freundlich und doch scharf wie Glas. Die Wände sind dünn, durch sie sickert das Murmeln, es sammelt sich, rollt heran, eine Lawine aus Stimmen, die mich unter sich begraben will. Ich liege im Zimmer, die Tür ist geschlossen, mein Bett ein kleines Boot im...
No Future – die Lüge
„No Future“ – einst ein Punkparolen-Schrei, doch heute wirkt er leer und einerlei. Ein Slogan, laut, doch längst verflogen – der ist – wie vieles – verlogen. Auch wenn das Leben dich hart trifft und jede Hoffnung ist nur Pflicht, auch wenn du dich verloren fühlst und Schmerz dein Innerstes durchwühlt – es muss doch eine Zukunft geben, es gibt noch Sinn in diesem Leben. Ja, manches liegt im...
Die einzige Gerechtigkeit
Du liegst im Wald, spürst, wie die Jahre dich streifen. Ein Traum erhebt sich leise – du möchtest verweilen, möchtest nicht weiterreisen. Doch auch du wirst einmal verschwinden. Denn die einzige Gerechtigkeit, die kann keiner überwinden, ist das stille Von-uns-Gehen.
Wären wir Zauberer
Wären wir Zauberer Wären wir Zauberer, Von Zwängen ganz frei Und keine Zauderer Im ständigen Vielerlei, Dann wäre das schicklich Und wir wären glücklich. Manches Mal, glaube ich, Sind wir deshalb verdrossen: Man schaut nicht auf sich, Ist kaum glücksbegossen, Weil der Andere alles hat, Geld, Ansehen und Staat. Könnten wir wirklich sehen, Was wir schon alles haben, Gesundheit, Verstehen Und...
Die Anpassungsfähigkeit schwindet
Die Anpassungsfähigkeit schwindet Früher hat man sich sehr angepasst, Nicht nur alles gefordert als Kind, Kaum verlangt, dass man ständig bespaßt Mittendrin im Aufmerksamkeitswind. Man wollte von den Älteren noch etwas erfahren, Als Autoritäten noch Vorbilder waren. Heute lebt man auf dem Smartphoneeiland, Seltener redet man miteinander, Für so viele gibt es auch keinen Heiland. Mancher meint,...
Xenokratie
Ihr nennt es frei, ihr nennt es Staat – doch wer bestimmt, was Gültigkeit hat? Wer lenkt die Worte, die wir lesen, wer formt das Bild von Welt und Wesen? Es sind nicht Ketten, nicht das Schwert, das unser freies Denken still verwehrt. Es sind Institutionen, die uns formen, Medien, die Gedanken normen. Es sind Verbände, Wirtschaftsmächte, die uns beschneiden in den Rechten. Sie flüstern leise,...
Verliebt in Deine Augen
Verliebt in Deine Augen Deine Augen leuchten wie zwei Sterne hell, Werfen Wärme zu mir mit der vollen Kraft, Dass sie aufhelfen, mein Körper schnell Zu Dir sich dreht und Nähe schafft. Deine Augen, Frauchen, sie erstrahlen, Wenn die Hand zur richtigen Stelle gelenkt, Geräusche hier im Raum widerhallen, Weil die Liebe Zeit und Tiefe schenkt. Die ganze Seelenwelt steht uns jetzt offen, Wo Augen...
Eine tolle Frau
Eine tolle Frau In flachen Schuhen tanzt sie zu mir her Mit schönen Beinen, ach, wie die mich reizen! Sie kommt und lächelt dabei noch mehr, Mit Fraulichkeit muss sie nicht geizen. Das Haar ist üppig, wie ein Wasserfall Fällt es herab und sucht nach festem Halt. Um mich ist’s jetzt geschehen und im Fall Fängt sie mich auf, groß die Gestalt. Ich merke, wie sie mich heftig aufrichtet, Dadurch...
Lied vom wiederkehrenden Frühling
Es rauscht der Wald im jungen Frühlingswehen, der Morgen glänzt, als wär die Welt so neu. Ein Vogel singt, die Bäche lauter gehen, und jeder Halm wird voller Lieb’ und Treu. Der Himmel hebt sich auf in helle Weite, der Erde Herz schlägt warm im jungen Grün. Ein Blütenschnee fällt leis auf Weg und Seite, als wollt er uns des Himmels Gnade blühn. Was stumm und kalt im Winter niederdrückte, das...
Ode an den wiederkehrenden Lenz
Es bricht das Grün aus nächtlich tiefen Gründen, des Morgens Odem fließt so lind und sacht. Die Erde hebt ihr stilles Angesicht, als wollt sie neu die Schöpfung sich verkünden. Ein Vogelruf durchhallt die jungen Stunden, die Knospe springt, ein Bächlein silbern lacht. Im Himmelsbogen lodert lichte Pracht, und Schwere wird von goldnem Strahl entbunden. Was niederlag in winterlicher Stille,...
Abendschau
Sehr dezent fast transzendent Neigt sich das Licht im Okzident Und wiegt sich gar in Sicherheit Weil niemand es dran hindern könnt So wechselt Himmel von Zart-blau Zu malerischem Silber-grau Überführt das letzte Sonnenlicht In zahlenlose Sternenpracht Das Glitzern nun sogar betont Im Rampenlicht von Bruder Mond Durch sattes Schwarz wie Ewigkeit So wirkt der Kosmos wie befreit Wir selbst ganz...
Andere Orte
Ich bilde mir ein, Dass Wolken Polarlichter sind. Ich kann im Großstadthimmel Die Milchstraße erkennen. Ich sehe den Indian Summer, Wenn noch alle Blätter grün sind Und fühle die Herbst-Melancholie Noch vor dem ersten Regenfall. Es gibt keine Jahreszeiten Wenn ich im Sommerurlaub bin; Aber in Hamburg Durchleb´ ich jede einzelne fünfmal im Jahr. Ich träum´ mich an andere Orte, Erwecke tiefe...
Bedeutung
Was einem ein Mensch bedeutet, dafür findet man manchmal keine Worte... ...und gerade in diesem "keine Worte finden" liegt diese Bedeutung geborgen. © A. Namer
Unsichtbar und nah
Ich lebe in einer Welt aus Glanz und Lärm, doch mein Herz bleibt dem Unsichtbaren warm. Nicht Geld, nicht Macht, nicht schneller Gewinn – mein Glaube trägt, wo ich selbst nur bin. Man nennt mich träumerisch, vielleicht naiv, doch ich weiß, was mich im Innersten rief. Wenn alles fällt, bleibt er mein Licht: ein Gott, der spricht, schweigt – und nicht zerbricht.
Der DDR-Musiker und ich
Ich fahr am Abend durch die Stadt, die Straße glänzt, ist feucht und glatt. Ein DDR-Musiker winkt mir zu, ich halte – und nehme ihn mit im Nu. Wir fahren Richtung Hotel Strauß, die Stimmung ruhig, fast wie zu Haus. Auf einem Parkplatz, still und leer, reden wir – das wiegt umso mehr. Er sagt, dass es ihm hier nicht gefällt, dass Freiheit oft nur Fassade hält. Ich sag: „Doch vieles ist hier frei“...
Es mehren sich
Es mehren sich Es mehren sich die Zeichen, Dass Teile unserer Menschheit Auf die Steinzeit zurückfallen, Wenn Sittengesetze weichen Und viele Verluste an Freiheit Despotischen Mächten gefallen. Technisch sind wir auf höchstem Niveau, Doch auch da verbergen sich Zwangsnischen, Deren Absicht und Idee teuflischer Appell. Wird unser Menschsein dadurch froh, Wenn mit verdrängtem Wegwischen In...
Frauen sind heute freier
Frauen sind heute freier Frauen sind heute freier, Denn die Pille gibt ihnen die Gewähr, Dass sie nicht in alter Leier, In ewiger Schwangerschaftsgebär. Würde ihnen diese Freiheit genommen, Weil es um Hegemoniemehrung geht, Werden zu viele Menschen erdnah kommen, So dass dadurch alles Leben vergeht. Gäben wir überall den Frauen das Recht, Über Schwangerschaften selbst zu entscheiden, Würde man...
Der einsame Vampir
Wenn ich erwache, stehen die Sterne günstig. Es ist Mitternacht, mein Herz schlägt unruhig. Ich steig aus meinem Sarg, die Zähne noch zu schärfen, schleiche durch den Park, alle schlafen, keiner merkt es. Da sitzt ein junges Mädchen, ihr Atem tanzt im Mondlicht. Ich möchte sie nicht verletzen, nur teilen, was in mir brennt. Ich schaue ihr in die Augen, ein leiser Wunsch, ein Biss – kein Schmerz,...
Vorurteile zur Zeit
Es klingt neu, doch alt ist das Geschehen, wie Menschen voreilig im Urteil stehen. Wer keinen Job hat, gilt schnell als faul, wer anders denkt, der stört die Moral. Wer leise lebt, den nennt man schwach, wer widerspricht, der sucht den Krach. Wer Leder trägt, sei voller Gewalt, wer sich still verhält, wirkt schon kalt. Doch wer nicht passt, gehört nicht dazu, solche Parolen rauben die Ruh. Denn...