Schneearmut – Orkanreichtum

von | 17.Feb.2022 | Poesie | 0 Kommentare

 

 

Schneearmut- Orkanreichtum

 

Im Schwarzwald schneite es früher viel mehr,

Als es noch die hartlangen Winter gab.

Bäume brachen unter Lasten, die überschwer

Teile verloren, wo krachender Kälte Stab.

 

Dann kamen sie mit Rössern zum Wald,

Zogen heraus die gefallenen Tannen,

Die ewig schon hier standen und uralt

Aufragten hoch über alle Schneewannen.

 

Sehr viel milder ist es längst geworden,

Nur die höchsten Wipfel tragen noch Hauben

Aus Schnee, der immer seltener aus dem Norden

Herkommt, um überall Skifahren zu erlauben.

 

All’ unsere Wälder sind seltener weiß,

Denn über das sonnenfindende Jahr

Geht viel zu kurz der Winter auf Reis’

Und gebiert eine Wärme, die sonderbar.

 

Was waren das doch noch für Winter,

Als die Schwarzwaldhäuser tief verschneit,

Am wohligen Kachelofen spielten Kinder,

Jederzeit wieder zur Schlittenfahrt bereit!

 

Stattdessen reißen an Dächern Winde,

Sie sich als Orkane schwer ausbreiten,

Bäume umwerfen, Ziegel geschwinde

Hinabstoßen, so dass wir Wege meiden.

 

In allen Landesteilen ein Durcheinander,

Wenn Fernzüge nicht mehr fahren können

Und Flüsse strömen flutend ineinander –

Wir uns zwangsläufig daran gewöhnen…

 

 

 

©Hans Hartmut Karg

2022

 

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