S´Türle im Zaun
Min Vadda hett ebbs, was selde gworre isch. E Schlauer ischa, der alles kann, nit nur mim Meter, sondern au als Mann. Drum hetta in de neue Zaun zum Nochba e kleins Türle gebaut, so dass de Zaun uns trennt, aber nit so wie Stachedrahtwänd – nei, nei! Weil ma weiß nie, wenn was isch, und ma mol Hilf von einem brucht ... Dann machsch ruckzuck s’ Türle uff und bisch schnell bim Nochba – zu Fuß. Dem...
„Im Schweigen der Halme“
Der Sommer trat barfuß ins Feld, und schwieg. Kein Ruf, kein Glockenschlag, nur das sanfte Bücken der Halme, als hätte die Zeit sich verbeugt. Die Amsel war müde vom Singen, das Licht zu golden zum Denken, und der Wind – tat so, als sei er nie gewesen. Ich ging durch die Hitze wie durch ein Gedicht, dessen Reime sich im Staub verloren. Am Wegesrand: ein Grashalm, der sich nicht entscheiden...
EINANDER FERN
EINANDER FERN Wir reden, reden, reden gegeneinander hintereinander übereinander voneinander Stehen oder sitzen wir ausnahmsweise mal nebeneinander, quatschen wir häufig durcheinander Statt wenigstens diszipliniert nacheinander Wann werden wir einander in die Augen sehen, um uns gegenseitig zu verstehen Ist jemals damit zu rechnen, dass wir MITEINANDER sprechen Stephan Wannovius,...
EINSAMKEIT
EINSAMKEIT Die Gesellschaft ist so gemein Sie lässt dich mit dir ganz allein Stephan Wannovius, 12/07/25
SCHWERE(RE)S LOS
SCHWERE(RE)S LOS Für jeden Dichter gibt es wohl ein schwere(re)s Los als mangelnde Anerkennung, ein wenig Spott oder WIRKUNGSLOS Ein Empörungssturm könnte ihn in der Demokratie vernichten Kritische Zeilen könnten ihn in einer Diktatur richten Dort müsste er konsequent zu seinen Gedichten stehen und dafür ins Gefängnis gehen Stephan Wannovius, 12/07/25
LYRISCHER ABGESANG
LYRISCHER ABGESANG Gedicht/trauriges Lied ------------------------- Viel und lange habe ich gedichtet Damit wohl wenig ausgerichtet Hoffentlich habe ich nichts angerichtet Viel und lange habe ich gedichtet Habe ich irgendeinen zur Anerkennung oder Ermutigung verpflichtet Viel und lange habe ich gedichtet Ach, hätte ich doch besser darauf verzichtet Stephan Wannovius, 12/07/25
OPA DICHTET
OPA DICHTET Opa schreibt Gedicht über Gedicht Oma nicht, sie bleibt schlicht Bewunderung, Ermutigung und Unterstützung des Poeten ist ihre Pflicht Stets an seiner Seite dabei, hält sie ihn von fast allen häuslichen Aufgaben frei So kann Opa sich voll auf seine Lyrik konzentrieren und seine Leser faszinieren Stephan Wannovius, 12/07/25
GRUNDSÄTZE
GRUNDSÄTZE Eine Frau darf Gefühle zeigen Ein Mann muss darüber schweigen Für einen Mann gehört es sich nicht zu dichten Eine Frau braucht auf die Poesie nicht zu verzichten Ein Mann soll männlich schrauben, nicht wie die Weiber glauben Toll, was alles Mann oder Frau darf, muss oder soll Und was nicht Ich jedenfalls habe von all diesen Grundsätzen die Nase voll Stephan Wannovius,...
CHARAKTERSTARK
DEN WELTWEIT VERFOLGTEN CHRISTEN ------------------------------ CHARAKTERSTARK Du behauptest: "Nur wer schwach ist, ist glaubensstark" Irrtum: Gerade die Glaubensstarken sind es, die der Welt Charakter und Persönlichkeit zeigen, wo andere ängstlich schweigen Deshalb kann man etliche Christen sehen, die für Jesus massive Benachteiligung und Verfolgung überstehen Für ihn zahlreich sogar ins...
WER GLAUBEN DARF
WER GLAUBEN DARF Ein Mann sei stets rational und kühle Eine Frau zeige Gefühle Ein Mann hat geschickt zu schrauben, darf aber nicht glauben Denn Glauben darf sich nur eine Frau erlauben Doch ich selbst will an solche Vorurteile nicht glauben Auch als Mann erlaube ich es mir zu glauben Stephan Wannovius, 12/07/25
DICHTERS LEIDEN
DICHTERS LEIDEN Fängt ein Mann an zu dichten, werden sich selbst engste Familienangehörige und enge Freunde nicht zur Anerkennung verpflichten Manche werden ihn gar spöttisch richten Denn ein Mann darf vieles - nur nicht gefühlvoll dichten Ein Poet muss für seine Kunst leiden Selbst die Nächsten werden ihn meiden Stephan Wannovius, 12/07/25
Dein Wunsch, mein Wunsch
Dein Wunsch, mein Wunsch Dein Wunsch, mein Wunsch bleibt unerlöst, Wenn wir uns nicht mehr schauen, Das Offengelegte sich nur entblößt, Weil auf Sicherheiten wir bauen. Wir müssen miteinander reden, Das sagen auch Freunde allenthalben, Vielleicht uns wie früher anbeten, Erneut sehen die fliegenden Schwalben. Nur wer nach draußen blicken kann, Dem wird das Innere klarer: Er sieht am See auf jenen...
Der Du mich ansiehst
Der Du mich ansiehst Der Du mich ansiehst: Seh‘ ich Dich gendern, Weil Du ja so bist: S’ist nichts zu ändern? Haben wir denn begriffen, Dass Männer Hilfe brauchen? Müsste jemals einer kiffen, Gar irgendein Unkraut rauchen? Der Liebe Gunst bleibt Rettung, Liebeswunsch das Grundaxiom, Mit denen in steter Seelenbettung Ein Männermund wiederholt: „Shalom.“ Du brauchst das auch wie ich? Dann kommen...
TON DER NOT
TON DER NOT Vielleicht, vielleicht will die Not nicht enden Womöglich kannst auch du die Not nicht wenden, aber das Substantiv Denn von hinten nach vorn gelesen, ändert die Not zumindest sprachlich ihr Wesen Aus Not wird Ton Aus der berechtigten Klage über eine missliche, traurige Lage wird eine ästhetische, stilistische Frage: Welcher Ton trifft am besten Not und Lage Not, die sich nicht lässt...
FASSE DICH KURZ
FASSE DICH KURZ Warum ausschweifend erzählen Warum sich mit endlos langen, langen Gedichten quälen und damit womöglich das Qualitätsziel verfehlen Dichter, habe mal den Mut zu einem Gedicht, das kurz und gut Stephan Wannovius, 11/07/25
KURZ UND GUT
KURZ UND GUT Lang ist oft recht Doch manchmal ist es geradezu schlecht Dichter, sei deshalb beim Dichten auf der Hut Habe auch den Mut zu Versen, die kurz und gut Stephan Wannovius, 11/07/25
Seltsam ist es mit uns Menschen
Seltsam ist es mit uns Menschen Seltsam ist es mit uns Menschen, Manche meinen ewig zu leben, Denn für sie gibt‘s kein Begrenzen, Immerzu müssen sie weiterstreben. Dabei gilt längst als ausgemacht: Fast jeder bekommt nur die Holzbretter. Dann wird ein Erdloch aufgemacht, Egal, ob man Dörfler oder Städter. Den Sarg wird man sich kaum aussuchen, Was war, wird ewigkeitsverpackt. Selbst wenn sich...
Man gebe mir
Man gebe mir Man gebe mir ein volles Glas, Mineralwasser will ich gern ehren. Doch trinke ich es nur zum Spaß, Muss Erdvorräte ich wohl leeren. Alles, was ich dort entnehme, Das könnte anderswo auch fehlen, Wofür ich mich denn wirklich schäme, Wenn ich meine, es dort zu stehlen. Es sollte mir Verpflichtung sein, Zuvor mein Handeln zu bedenken, Ob dieses Wasser denn auch mein: „Darf ich es ein-...
EMPÖRUNGSSTURM
EMPÖRUNGSSTURM Vielleicht, vielleicht ist es für einen Dichter besser, seine Gedichte werden übersehen, als dafür durch einen Empörungssturm zu gehen Vergessenwerden lässt sich leichter als Verleumdung überstehen Stephan Wannovius, 10/07/25
EIN ODER NIE
EIN ODER NIE Will ich mich mit dem Wort EIN näher befassen, schwanke ich zwischen Versuch und Unterlassen Denn drehe ich EIN herum, heisst die Warnung NIE Meine Gedanken laufen deshalb um, um, um Fröhliches Anagrammieren kann so jegliche Entschlossenheit (ver)komplizieren und sie bei schwachen Menschen wie mir gar ruinieren Nachwort ---------- Die deutsche Sprache ist so vielfältig und reich EIN...
VOM SCHMERZ ZUR FREUDE
VOM SCHMERZ ZUR FREUDE Dichte(r)Mahnung -------------------- Neuer Dichter, gern darfst du wortgewandt mit deinem Schmerz oder allgemeinem Weltschmerz beginnen Doch irgendwann sollten sich dein Herz und deine Feder auch auf andere, erfreulichere Themen besinnen Denn Traurigkeit nimmt Lebensmut Freude tut dem Poeten und Leser gut Stephan Wannovius, 10/07/25
SPRACHLOS
SPRACHLOS Deutsche Befindlichkeit - Appell auch an viele hier ------------------------- Statt einander Achtung, Interesse und Respekt zu zeigen - das große eisige Schweigen Deutschland zerbricht, weil Deutschland nicht mehr miteinander spricht Zuhauf tun sich Gräben auf Gräben, in denen wir sitzen Gräben, in denen wir uns selbst bedauern und die Deutschen in den anderen Gräben belauern Auch...
(ZU) SALZIG
(ZU) SALZIG Den Dichtern des Schmerzes ------------------------------ Wer im Selbstmitleid versinkt, nichts als seine eigenen salzigen Tränen trinkt Stephan Wannovius, 10/07/25
BROT DER EINSAMKEIT
BROT DER EINSAMKEIT Wer das Brot der Einsamkeit isst, wird von niemandem vermisst Er muss bei dieser kargen Speise verweilen Denn keiner möchte mit ihm teilen Stephan Wannovius, 10/07/25
SOZIALER TOD
SOZIALER TOD Die Not der Einsamkeit ist der soziale Tod vor dem physischen Tod Denn der Einsame ist für seine Umgebung längst gestorben Stephan Wannovius, 10/07/25
WEGGENOMMEN
WEGGENOMMEN Wenn man dir schon Lebzeiten Anerkennung Beachtung Ehe Ermutigung Familie Freundschaft Geld Kameradschaft Menschenwürde genommen, wird wohl später niemand zu deiner Beerdigung kommen Stephan Wannovius, 10/07/25
ZUM FÜR
ZUM FÜR Drückt dich das viele Gegen in deinem kurzen, langen Leben nieder, dann begib zum großen Für Wieder und wieder Unter Gläubigen ist es als Gottes Sohn bekannt Es wird auch Jesus Christus genannt Wetten, dein Erlöser kann und will auch dich erretten Stephan Wannovius, 10/07/25
DAS GROSSE FÜR
DAS GROSSE FÜR Vermutlich bedrückt dich das viele, viele Gegen Das viele, viele Gegen in deinem kurzen, langen Leben Vielleicht drohst du gar, verrückt zu werden Doch selbst das dunkelste Gegen kann für dich zum Segen werden Du musst dich nur zum großen Für bekennen, das Gläubige Jesus Christus nennen Gib ihm alle Ablehnung, alle Sorgen, alle Plagen, alles Versagen ab Gottes Sohn führt dich zu...
VOM VIELEN GEGEN ZUM GROSSEN FÜR
VOM VIELEN GEGEN ZUM GROSSEN FÜR Gedicht/Liedgedicht ----------------------- Was will das viele, viele Gegen in meinem, in deinem Leben wohl bezwecken? Vielleicht, vielleicht sollten du und ich dadurch neue Horizonte neue Menschen neue Orte entdecken Was will das viele, viele Gegen in meinem, in deinem Leben bezwecken? Ganz bestimmt sollen, ja müssen du und ich endlich das ewige beständige große...
Was bleibt?
Was bleibt? Was bleibt? Sind es die Erinnerungen Aus Deiner Vergangenheit, Manche würdig, sie zu behalten Oder reden innerlich nur viele Zungen Von nichts anderem, als vom Leid, Mit dem sie Freisinnen zermalmten? Was bleibt? Ist dies nur jene Gegenwart, Welche Dir drängender Wert, Wo eigentlich nur überhart Dein Dasein beschwert? Kannst Du dem Schicksal trauen, Auf das setzen, was jetzt zu...