Tannenmama
Tannenmama Der großen Tanne wurde vom Wurfwind Ein Drittel der schönen Krone abgerissen, Und alle Freunde meinten geschwind: Zum Brennholz sei der Rest geschmissen! Dagegen wehrte ich mich sofort, Denn ich liebe den herrlichen Baum, Der prächtig steht an seinem Ort, Nun ein Torso im Gartenraum. Der Baum aber weiß sich zu krönen Mit jungen Bäumchen auf Ästen, am Fuß, Die mich mit seinem Leid...
Liebe
Warst du jemals wirklich verliebt? Hast du allein dagesessen und geweint? In einer Liebe habe ich gegeben. In einer Liebe habe ich gewartet. In einer Liebe habe ich geweint. Hast du je jemanden angesehen, wie er sich verstellt – nur aus Angst vor der Liebe, aus Angst zu lieben, aus Angst, sich zu verlieben und verliebt zu sein? Ich schon.
Alkohol – ein falscher Freund
Für dich beginnt die Welt zu stinken, du greifst erneut zum Glas, zum Trinken. Zu schüchtern, um dich selbst zu zeigen, soll Whiskey deine Einsamkeit verschweigen. Du sagst, er tröste dich bei Nacht, doch hast du je daran gedacht? Er wärmt dich nur für kurze Zeit, zurück bleibt nichts – nur Bitterkeit. Du wirst zum Schatten deiner Kraft, dein Geist verliert, was früher schafft. Die Kreativität...
Homosexuell
Du trägst dein Talent wie ein helles Licht, doch Schatten folgten dir auf Schritt und Tritt. Überall Spott, oft hämisch und gemein, manch einer wollte nur, dass du unsichtbar bist. Mut braucht es, so offen zu leben, doch bitte, lass mir meinen Raum. Ich konnte dich stets gut verstehen, doch mein Herz kennt andere Wege kaum. Intimität liegt zwischen klaren Grenzen, die ich nicht überschreiten...
Brücke aus Klang und Herkunft
Brücke aus Klang und Herkunft Mein Name klingt euch fremd im Ohr, doch trägt er Licht, kein finsteres Tor. Er ist kein Echo alter Schuld, sondern ein Ruf nach neuer Huld. Ich komme von fern – ja, und noch mehr: Ein Herz, ein Blick, verletzlich, leer, wenn Mauern sich aus Worten bauen und Blicke mich wie Nebel schauen. Ich kenne Rassismus – hier wie dort, im Heimatland, an fernem Ort. Denn...
Gold für Schweigen
Sie sehen dich wie Staub am Rand, doch suchen nachts nach deiner Hand. Sie kaufen Nähe, flüchtig, kalt – und nennen dich danach „verhalt“. Du gibst, was sie im Dunkel wollen, doch bleibst für sie nur Fleisch, nur Rollen. Ein Körper, stumm, ein fremdes Tier – sie zahlen nicht aus Achtung dir. Kein Blick fragt je nach deinem Morgen, kein Wort nach Sehnsucht, Schmerz, nach Sorgen. Sie nehmen, was...
Unterschiedliche Geister
Unterschiedliche Geister Kleingeister behängen sich mit Personen, Welche keinerlei Kraftvergeudung lohnen, Weil sie in ihrem engen Gossenreich Nur lauern auf den nächsten Streich. Große Geister schauen auf Sachen, Welche man könnte noch besser machen Und wägen beraten und informiert ab, Bringen so den Stillstand auf Trab. Mit Größe ändern sie Strukturen und Dinge, Wissen, dass die Vernunft sehr...
Es gibt Kanzler
Es gibt Kanzler Es gibt Kanzler, die wollen etwas bewegen Und sie bewegen manchmal auch viel, Aber sie bringen es Bürgern nicht rüber, Müssen sich auf Nebengleise verlegen, Vertelefonieren manches Absichtsziel, Wissen um Lobbyisten, Grenzenverschieber. Deshalb sind ihnen Quoten oft nicht hold, Es kritisieren Journalisten, manche Wähler: Sie nutzen zu wenig ihre Richtlinienkompetenz. Reisen,...
Die Uhr der Erde
Siehst du den Schnee, wie leise er fällt, ein Schleier sinkt auf diese Welt. Dein Weg ist weit, das Ziel noch fern, die Zeit verrinnt wie Licht im Stern. Die Wälder sterben, Blatt für Blatt, die Uhr der Erde wird nicht satt. Sie zählt nicht mehr, sie läuft zurück, ihr Takt verstummt – verlor’nes Glück. Warum nur glaubt man Jahr um Jahr, dass Fortschritt unsre Rettung war? Warum mit kalter,...
Verblasstes Grün
Ich träumte einst von Wiesen weit, vom Grün – für immer, alle Zeit. Das Leben schien wie Frühlingslicht, doch heute spür ich’s einfach nicht. Das Grün verlischt Stück für Stück, zurück bleibt Schmerz statt Lebensglück. Die Farbe flieht, die Welt wird leer und Hoffnung trägt man nicht mehr so schwer. Vielleicht lebt Grün nur noch im Traum, in mir – nicht mehr im Weltenraum. Die Sehnsucht nach dem...
Die Berge aus Brot
All die Berge, Brot im Lot, verfallen still dem Überfluss-Tod. Ein Spiegel, kalt und gläsern klar – von dem, was einst mal besser war. Ein Zeichen unseres Ego-Wahns, ein Denkmal aus dem Maßlos-Wahn. Materialismus – stolz und blind, als wären wir nicht Menschen, Kind. In einem Land, das blüht und lacht, wird täglich Nahrung weggemacht. Was für ein Irrsinn, welch ein Schmerz – die Schande frisst...
Sich nicht provozieren lassen
Sich nicht provozieren lassen Sich nicht provozieren lassen Von den vielen, kleinen Quälgeistern, Die lieber beleidigen, oftmals hassen Und sich dafür auch noch begeistern. Der Kleingeist sucht stets danach, Wen er als Nächsten zwicken kann Und eröffnet damit gern jenen Krach, Mit dem das Böse sich bricht die Bahn. Lass‘ ihn wie die Welle am Strand leerlaufen, Er hat Deine Aufmerksamkeit nicht...
Der gläserne Mensch kommt
Der gläserne Mensch kommt Der gläserne Mensch kommt, Weil dies unserer Neugierde entspricht. Ob das der Menschheit bekommt, Wer sich darüber wohl den Kopf zerbricht? Ist im Hirn erst der Chip eingesetzt, Mit dem wir fast alles abrufen können, Wird dann endlich viel weniger gehetzt, Weil wir uns eben auch Ruhe gönnen? Gräsern sieht sich der Mensch s soelber, Durchschaut sein Gegenüber dann auch,...
Ich liebe dich
Ich liebe dich, das sage ich dir, tausendmal in meinen Gedanken... Hast du es gehört, gefühlt, gespürt? Nein? Ja, genau... Deswegen schreibe ich es dir jetzt: "Ich liebe Dich", so hast du es schwarz auf weiß... Noch schöner ist es bunt: Tanzend, lachend, hüpfend, singend, kullernd mit dem Klang meiner Stimme, meines Herzens, meines Seins. © A. Namer
ZUGFAHRT
Auf den Schienen qualmt der Dampf der Lokomotive Wie ein Zahnrad dreht sich diese gut geölte Maschine Und der Zug rast immer weiter geradeaus Seit dem Bahnhof hasten wir durch die Landschaft Uns bleibt im engen Wagon nur ein hastiger Blick Und der Zug rast immer weiter geradeaus Kein Luxusticket, doch auch um Obdach keine Sorgen Für Ablenkung ist auf den Bildschirmen gesorgt Und der Zug rast...
Stimmen der Träume
Manuela: Ich sah dein Herz im Zuckerlicht, verlor mich oft in deinem Gesicht. Dein Lachen war mein sanfter Tanz, ich schenkte dir den ersten Glanz. France Gall: Du folgtest mir im Sternenschein, die Melodie floss tief hinein. Ich sang von Freude, leicht und klar, so nah und doch so wunderbar. Nancy Sinatra: Ich flog durch deine Traumgestalt, war kühn und frei in deiner Welt. Du hörtest mein...
Einen Traum
Als Kind verlor ich mich im Glanz, bei Manuelas sanftem Tanz. France Gall und Nancy, hell und rein, sie führten mich im Traum hinein. Agneta, blond, ein Sternenschein, zog mich tief in ihr Herz hinein. Auch Morgan Fairchild, kühn und frei, war wie ein Licht, immer dabei. Kim Basinger, so warm, so nah, ein Leuchten, das die Stille brach. Kein kalter Blick, kein fernes Spiel, ihr Glanz erfüllte...
Dunkle Wolken
Dunkle Wolken ziehen durchs Licht, du taumelst – siehst die Welt nicht. Streit mit dem Vater, Nacht für Nacht, und ich, der kaum noch Hoffnung macht. Wann kommt die Wende, die du ersehnst? Oder ist es das Ende, dass du längst verstehst? Tränen fließen, wenn du mich erblickst, und flehst, wenn der Fluss vorüber fließt, verrinnt, verstrickt. Enttäuschung liegt auf jedem Blick, wo blieb dein Wesen,...
Es ist wie bei den Fliegen
Es ist wie bei den Fliegen Dem Leben ist die Neugierde eingeboren, Fast alle Lebewesen sind neugierig. Doch bleiben sie damit auch ungeschoren, Wenn ihre vielen Augen nur gierig? Es ist wie bei den Fliegen: Solche, die zu neugierig sind Und zum Schlunde fliegen, Werden verspeist geschwind. Wer zu viel will, der gehört der Katz‘, Darüber kann er sich nicht mal beschweren, Denn wem zu viel im...
Wir sind nicht ausgeliefert
Wir sind nicht ausgeliefert Wir sind nicht ausgeliefert den Zeitläuften, Wenn wir uns ihnen nicht selbst ausliefern, Wo andere längst Begehrlichkeiten anhäuften Im Netz, abseits von Buchen, Eichen, Kiefern. Doch wenn wir uns ausliefern lassen, Ist das wohl auch persönliches Unvermögen: Das Eigene müssen wir selber fassen, Denn es ist das, was wir von Grund auf mögen. Jede Generation steht...
Nürnberger Open-Air 1978
70 000 Besucher gehen begeistert mit, Bob Dylan und Chicago sind absolute Spitzenklasse. Es läuft ziemlich viel Shit und die Veranstalter kommen voll auf ihre Kasse. Ein wirklich friedliches Open-Air-Fest, keine gewalttätigen Auseinandersetzungen. Ich fühl mich trotzdem gestresst und denke an frühere Verletzungen. Trotz der äußerlich guten Atmosphäre herrscht Einsamkeit in der Menschenmasse....
Versager
Du bist ein Träumer, Du bist ein Spinner, im Privatleben warst Du nie der große Gewinner. Du hältst Dich für einen Versager, Du baust ab, Du wirkst hager. Du glaubst zwar noch an Deine Illusionen, aber in Wirklichkeit leidest Du an Depressionen. Du hast Deine Fähigkeiten, Deine Intelligenz nie ausgenützt, Dein Handeln und Deine Ansichten waren zu sehr auf Theorie gestützt. Du bist jetzt fast am...
Viadukt
Steil vom Boden ragt empor Steinern Meisterwerk nicht mehr Durchmisst das Tal und dekoriert Natur und Landschaft perforiert Verkürzt Entfernung Menschen Traum Überbrückt manch Lücke erschließt den Raum Gleicht aus Niveaus steigt über Fluss Für Architekten harte Nuss Verbindet Dorf und Stadt per se Geschaffen für die Mobile Mit Fuhrwerk Auto und der Bahn Der Nutzung Jahre geh'n voran Die hohen...
Einen Menschen darf
Einen Menschen darf Einen Menschen darf man nie verletzen, Denn allzu tief sitzt dann der Schmerz, Weil Minderwertigkeitsgefühle wetzen, Devianzen kränken das Herz. Gerade dort, wo eingegraben, Was landläufig als Bruch verstanden, Kann der keine Befreiung haben, Wo Frustrationen nicht abhanden. Man weiß, wie man verletzen kann, Je mehr man einen Menschen kennt, Um aufs sein Brot schmieren...
Aufbauen
Aufbauen Aufbauen heißt mein Lebensziel, Dem ich mich immer schon verschrieben, Denn bei manchen Leuten gibt es viel, Das abseits von werthaltigem Lieben. Mitmenschen müssen wir aufbauen, Stärken in ihren Kompetenzen, Gemeinsam auf unsere Wege schauen, Um Begrenztes zu entgrenzen. Das geht bestens, wenn wir zeigen, Dass wir durch Vorbilder wachsen können, Wir uns hinunter zu Schwächeren neigen...
Gedanken bekommen Flügel
Gedanken bekommen Flügel Wie weit kommt man mit seinem Denken wenn man A L L E I N E denkt? Man dreht sich oft im Kreis. Auf einmal kommen Impulse von außen, der Blick bleibt irgendwo hängen eine Begegnung ein Gespräch ein Text ein Klang und plötzlich ändert sich die Richtung und die Gedanken b e k o m m e n F l ü g e l. © Anita Namer
Manche Dichtkunst will
Manche Dichtkunst will Manche Dichtkunst will ergötzen, Das Schönste uns darstellen, Uns nehmen das Entsetzen, Das Sehnen nicht verstellen, Denn was reimend perfekt genäht Ist mehr, als nur die Realität. Dichtkunst will uns Gutes zuschreiben Und hält uns dennoch auf Distanz: Worunter manche Menschen leiden, Bietet anderen Sinn und Tanz. Kann ich für mich das akzeptieren, Wird Poesie zum Wasser...
Kartenspielende Enkel
Kartenspielende Enkel Ich habe eine Enkelin, Die ist so herrlich ungezwungen, Hat Wunderliches gar im Sinn, Wenn sie mit ihren Engelszungen Mich fragt, ob ich denn mit ihr gehe Zum Kartenspiel, auf das sie stehe. SECHSUNDSECHZIG heißt das Spiel, Das oft sie mit dem Bruder spielt. Ein jeder hat nur dies eine Ziel: Zum Siegen sind sie sehr gewillt, Denn auf die Karten wird geschaut, Gedanklich hat...
Ich weiß nicht…
Ich weiß nicht wohin. Ich weiß nicht warum. Ich weiß nicht weshalb. Ich weiß nicht weiter. Was soll ich tun? Wo soll ich hin? Es gibt so Zeiten, da gibt es keine Antworten. Gar keine. Ich ergebe mich dem Leben… Dieses Gefühl ist auf einmal da… Ich weiß nicht weiter…..mach du Leben! Und irgendwie ist es oft so, dass das Leben tatsächlich weiß, was es tut…. Nicht wahr Leben, du weißt es......
Weisheit
Weisheit Nicht nur den Moden nachlaufen Wird der Weise, will die Welt begreifen, Nicht stets völlig Unnützes kaufen, Hinter die Dinge sehend reifen. Es gehört zu bester Entwicklung, Dass wir uns der Weisheit nähern Mit umfassender Einfühlung – Abseits von den Unmutsäern. Dazu müssen wir abwägen, Überlegen, bevor wir uns entscheiden: Was dient unserem Lebenssegen Und was verursacht unnötige...