IMAG0439

sitze an meinem schreibtisch und schaue nach draussen. eine katze hockt im
garten und kackt. ich konzentriere mich auf den himmel, kann nicht sagen ob er
grau oder weiss ist, eher weiss-grau. kalt und weit und viel zu weit und leer und
endlos und weit. er ist so gross und weit dass er mir angst macht, ich schnappe
nach luft und schaue auf mein blatt das vor mir liegt. das blatt vor mir gibt
meinem leben einen sinn in diesem moment indem ich sonst keinen sinn sehe
ausser in diesem blatt wo irgendwelche formeln draufstehen die ich auswendig
lerne damit ich meinem leben einen sinn gebe in diesem moment wo ich nur das
blatt habe.
die katze verscharrt ihre braune kacke in der wiese in der ich gestern lag, ich
hasse katzen. und sie moegen mich nicht. ich mag alle tiere aber katzen nicht
ich weil sie mich nicht moegen. ich schaue auf das blatt vor mir und denke
an das essen was oben stand und ich es essen wollte aber nicht gerne denn es
schmeckte so fahl. wie der himmel aussieht. aber stehen lassen wollt ichs auch
nicht denn ich habs mir ewig zubereitet also es liegt jetzt in meinem magen und
drueckt auf meinen magen wie der himmel auf meinen kopf drueckt von oben
herab auf meinen kopf so dass mein kopf drueckt als ob der weiss-graue himmel
nicht ueber meinem kopf ist sondern in meinem kopf. weil das der einzigste ort
ist wo dieser schrecklich weiss-graue himmel hin kann. in meinen kopf.
ich blinzle mit den augen und schlage den kopf gegen den tisch.
ich hoffe es kommt niemand in mein zimmer, in mein viel zu helles zimmer wegen
dem weiss-grauen himmel indem man nur blinzeln kann und alle farben weiss
und grau sind wegen dem himmel. eine kleine wunde hat sich ueber meinem
rechten auge gebildet aber der druck in meinem kopf laesst nach. ich schaue auf
die formeln.
ich schaue auf die formeln und denke mir dass ich mich nicht konzentrieren
kann. ich fange an zu lesen und denke mir wie einfach lesen ist. also lese ich die
formeln ab. zeile um zeile lese ich jede formel bis ich unten angelangt bin und
von dann lese ich die zeilen um zeilen wieder von vorne. ich lese jede formel und
wiederhole sie nocheinmal im kopf.
Mein auge tut weh, ich lege meine finger in das kuehle glas wasser neben mir,
1,2,3,4,5, die kaelte; druecke die kalten finger auf mein auge. Mein auge tut
weh.
ich schaue auf die formeln und fange von vorne an, ich lese jede formel und
finde dass ich sehr gut lesen kann, ich fange oben in der zeile an und lese bis
nach unten in die letzte zeile und dann lese ich wieder von oben nach unten. ich
merke dass es mir schwerfaellt mich zu konzentrieren.
ich blicke auf von den formeln.
ich schaue nach draussen. es wirkt so als ob irgendetwas nicht stimmt. irgen-
detwas stimmt nicht. der druck in meinem kopf ist da und er stoert. ich fasse
mir mit beiden haenden an den kopf und druecke, der druck ist meinem kopf
laesst nach waehrend der mechanische druck von meinen haenden zunimmt. ich
druecke in den augenhoehlen die augen nach hinten, dann nach oben und atme
tief aus. der druck laesst nach.
ich schaue nach draussen und habe eine idee. der himmel wird dunkler sodass ich
nicht mehr blinzeln muss und die stille um mich wird ertraeglich. blatt, bleistift;
formelblatt beiseite legen. ich brauche das formelblatt jetzt nicht mehr. lege
ein frisches blatt papier vor mich. ich zeichne.
ich mochte revolver schon immer, fuer mich haben sie etwas heroisches, ich
zeichne eine bruecke, einen strich, ich konnte nie seilspringen, einen kreis, 20
kreise. mehr faellt mir nicht ein. ich male Buchstaben aussenrum, ein e. wofuer
es steht weiss ich nicht. ich verziere es denn ich bin stolz auf das was ich geze-
ichnet habe. ich setze mir ein datum. da ich mechanisch handle, habe ich es
nicht eilig emotional zu handeln, 4 wochen. 3 monate grausam heller himmel.
4 wochen muessen reichen damit die zeit verstreicht. untergeht mitsamt ihrem
grausamen himmel. ich bezweifele es aber es ist mir egal. ich habe jetzt einen
plan. ich wuerde diese 4 wochen sinnvoll nutzen. es gibt viel zu tun. ich muss
mir ein bild aussuchen und andere bilder aussortieren.

Seilspringen konnte ich nie. ich blicke auf die skizze und streiche das seil durch.
ich umkringle die vielen kreise.

Schreibtisch
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